Der Vereinsvorsitzende Manfred Schemel sagte am Wochenende, dass durch den Absprung der Sponsoren dringend benötigtes Geld für die Sanierung des Hauses in Bohsdorf bei Spremberg (Spree-Neiße) fehlt. Der Beschluss der Landesregierung, den Strittmatter-Preis vorerst ausschließlich Brandenburgischer Literaturpreis Umwelt zu nennen, sei bei der Suche nach Spenden sicherlich nicht hilfreich.
Größere Firmen sähen eine Spende an den Strittmatter-Verein inzwischen wohl als schlechte Werbemaßnahme, einige Unternehmen antworteten nicht einmal mehr auf Spendenbitten, berichtete Schemel. Die abwartende Haltung der Regierung verstärke die Skepsis unter potenziellen Sponsoren. „Ich verstehe die Landesregierung, dass sie offene Fragen zu Erwin Strittmatter beantwortet haben will“, sagte der Vereinsvorsitzende. „Aber die Sponsoren warten natürlich auf ein Wort der Landesregierung.“

Umweltminister Dietmar Woidke (SPD) hatte auf eine parlamentarische Anfrage geantwortet, dass eine endgültige Entscheidung zum Preisnamen noch ausstünde. Vorerst werde die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung aber nicht mehr unter dem Namen Strittmatter firmieren, hieß es. Zu den bisherigen Preisträgern zählen unter anderem Volker Braun und Wolfgang Hilbig.

Im Sommer 2008 hatte der Germanist Werner Liersch aufgedeckt, dass Strittmatter (1912-1994) während des Zweiten Weltkrieges in einer Polizeieinheit diente, die ab 1943 zur SS gehörte. Laut Liersch nahm der Autor nicht direkt an Kriegsverbrechen teil, wusste aber als Bataillonsschreiber möglicherweise davon. Die folgende Debatte ging auch um eine neue Sicht auf das Werk von Autoren, die Zeit ihres Lebens „moralische Instanzen“ waren, ihre eigene Nazi-Vergangenheit aber verschwiegen.

Dessen ungeachtet erfreut sich das Museum steigender Besucherzahlen: Im vergangenen Jahr kamen Schemel zufolge 1000 Gäste mehr als 2007, also insgesamt 8000. „Aber bei zwei Euro Eintritt bringt uns das finanziell nicht weiter.“ Das rund 100 Jahre alte Haus müsste dringend komplett saniert werden. Die Ausstellung ist in dem ehemaligen Geschäft und in den Wohnräumen der Familie Strittmatter untergebracht. Das Haus fand in der Romantrilogie „Der Laden“ Eingang in die Literatur; einem breiten Publikum wurde es durch die gleichnamige Verfilmung von 1998 bekannt.