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| 18:00 Uhr

Farbenfroher Abend mit dem Sorbischen Ensemble
Königliche Hochzeit in Burg

Die 11. Spreewälder Sagennacht in Burg begeisterte mit Liebe, Krieg und Intrige.
Die 11. Spreewälder Sagennacht in Burg begeisterte mit Liebe, Krieg und Intrige. FOTO: Marion Hirche
Burg. 5000 Zuschauer haben an drei Tagen die 11. Spreewälder Sagennacht auf dem Burger Schlossberg erlebt. Von Marion Hirche

Aktueller konnte Burg nicht sein: Auch die Spreewaldgemeinde war im Hochzeitsfieber: Zum 11. Mal gab es die Spreewälder Sagennacht auf dem Burger Schlossberg. Rund 5000 Zuschauer erlebten an drei Abenden die Geschichte um die Hochzeit des Wendenkönigs. Partner der Hauptvorstellung war erneut das Sorbische Nationalensemble.

Die Sonnenfee und der Grommeltroll von „Flamme et Fabulee“ verzauberten die eintreffenden Zuschauer mit Stelzen-Schwebe-Lauf und malerischen Kostümen. Bei Albrecht und Simone Ludwig aus Bautzen mussten sie nicht lange um Gunst buhlen: Die beiden feierten am Sonntag bei der „Hochzeit“ in Burg ihren ersten Hochzeitstag.

Schon im Vorprogramm werden die Zuschauer von Moderator Christian Matthee sanft auf den Zeitsprung an den Anfang des elften Jahrhunderts eingestimmt: Hier hat der Wendenkönig gelebt. Die Sorben/Wenden sind heute die kleinste slawische Nationalität in Europa. Die „femella“-Kids aus Cottbus grüßten als Sagenfiguren: als Wassermannkinder und Irrlichter. Mitglieder des Deutsch-Sorbischen Ensembles Cottbus zeigten den „Tanz der Liebsten“ und den „Abschied von der Braut“. Bevor es endgültig in die Zeitmaschine ging, staunten die Zuschauer über die Modelle der Lübbenauer Modedesignerin Sarah Gwiszcz. Ihr weißes Brautkleid mit langem Schleier stand dem Modell von Meghan in London in nichts nach. Christian Matthee machte dann auch noch einen Vergleich zur Inselhochzeit: „Wenn wir Sorben/Wenden Hochzeit feiern, tun wir das mindestens drei Tage lang. Ein Hochzeitsbitter übernimmt bei uns die Arbeit der Wedding-Planer.“ Gerhard Paucker und Jens-Hagen Pietsch, zusammen die „Drjewjankis“ spielten die passende Musik und Lieder zur Hochzeit. Völlig nahtlos und verständlich wurde zwischen Deutsch und Sorbisch/Wendisch gewechselt. Auch im Hauptprogramm.

 Am Anfang des 11. Jahrhunderts bekriegen sich der römisch-deutsche Kaiser Heinrich II. und der polnische Herrscher Boleslaw I. Chobry erbittert. Die Bevölkerung leidet, auch die Wenden um Burg. Sie setzen ihre Hoffnungen auf einen neuen Wendenkönig, der für Frieden sorgen soll. Wakapan (Petr Cyz) beansprucht die Krone des verstorbenen Prebislaw, er wird von seiner Mutter Woda (Susann Bartke) und von der schwarzen Zauberin Wurlawa unterstützt. Er erfährt aber auch, dass er gar kein Nachfahre vom Wendenkönig ist, dass Juro (Jurij Siman) der rechtmäßige Erbe der Krone ist. Das will er nicht hinnehmen. Ein böses Intrigenspiel folgt. Juro wird von seiner Verlobten Anka (Katarina Pöpelec) und von seiner Mutter Lina (Alena Farkasowa) überzeugt, dass er sich um die Krone kümmern muss. Mit Unterstützung der zeitreisenden Lutkis Jolka (Katarina Krygarjec) und Jorko (Julia Schmidt) finden sie die verschwundene Krone im Sumpf. In die Präsentation dieser Krone platzt die Nachricht vom Friedensschluss und von der Hochzeit des polnischen Königs mit Oda, der Tochter des Markgrafen von Meißen, Ekkehard I. Am Ende wird dem neuen Herrscherpaar applaudiert. Danach schloss sich ein furioses virtuoses Feuerwerk von Pyro Passion Potsdam an.

Alles stimmte in dieser Inszenierung. Librettistin Jewa-Marja Cornakec verwendet historische Daten wie den Bautzener Frieden von 1018. Andreas Pabst sorgte mit seiner Musik für Anleihen in bekannter Literatur: So mancher hörte beim Duett von Lina und Wakpan das „Sag mir wo du stehst“ und bei dem Lied der Wurlawa Rammstein-ähnliche Power. Die Wurlawa, (Julia Peickert), gehörte zu den überzeugendsten Figuren. „Ich bin ein Wesen der Dunkelheit“ glaubte man ihr mit jeder Darbietung. Genial die Idee, mit dem Tanzpaar Ohara Clementi und Adson L. Zocca als Krieg und Frieden immer wieder tänzerische Auseinandersetzungen leben zu lassen. Regisseur Urs Alexander Schleiff ist eine ganz besondere Inszenierung gelungen. Sie ist witzig, spritzig, mystisch, aktionsreich, nimmt die Zuschauer mit, wird auf Bühnen und unter den Zuschauern gespielt und nutzt das Areal des Schlossberges. Schöner konnte auch die englische Hochzeit nicht sein.