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Spielen – daraus ergibt sich alles

Uwe Kropinski spielt eine Gitarre mit 39 Bünden – damit hat er 212 Möglichkeiten, einen Finger zu platzieren. Eine Konzertgitarre hat ansonsten 19 bis 20 Bünde.
Uwe Kropinski spielt eine Gitarre mit 39 Bünden – damit hat er 212 Möglichkeiten, einen Finger zu platzieren. Eine Konzertgitarre hat ansonsten 19 bis 20 Bünde. FOTO: I. Hoberg
Berlin/Peitz. Uwe Kropinski, über den Kollegen wie Publikum sagen, dass sie von seiner Spielweise beeindruckt sind, begeht heute seinen 65. Geburtstag.

Freunden moderner, akustischer Gitarrenmusik ist er stilübergreifend ein Begriff. Die Rundschau sprach mit dem Künstler über seine Arbeit als Musiker und als Fotograf.

Sie haben im Alter von 14 Jahren begonnen, Gitarre zu spielen. Wer oder was hat den Anstoß dafür gegeben? Gab es vorher ein anderes Instrument?
Kropinski Ich liebte die Musik der Beatles und beschloss, Gitarre zu spielen, lernte ihre Stücke singen und spielen. Ein anderes Instrument gab es davor in meinem Leben nicht.

Und dann gab es bald die erste Band. Wer gehörte damals dazu?
Kropinski Die "Cropies" wurden gegründet, zwei Gitarren, Bass, Schlagzeug, und wenig später noch ein Organist, gehörten dazu. Außerdem sang meine damalige Freundin Tamara Danz in der Gruppe.

Vom Rock zum Jazz - war das eine musikalische Wende?
Kropinski Ich beendete meine Zeit als "Rocker" Silvester 1975. Ich wusste, dass ich das nicht weiter machen wollte, ohne recht zu wissen, was ich wollte. Ich studierte zu dieser Zeit an der Musikhochschule Hanns Eisler Berlin und probte mit Kommilitonen - und dann lud mich Conny Bauer ein, in seiner Gruppe zu spielen. Das heißt, es ging vom Rock ohne Übergang in die improvisierte Musik, den Free Jazz, ein großes Abenteuer.

Als Solo-Gitarrist haben Sie in der Peitzer Jazzwerkstatt zum ersten Mal auf der Bühne gestanden. Wer spielte noch?
Kropinski Das war 1977, also vor 40 Jahren. Ich erinnere mich daran nur dunkel, weiß aber, dass es ein sehr aufregendes Ereignis für mich war. Außerdem spielten das Helmut Forsthoff Quartett, das Konrad Bauer Trio und Synopsis feat. Franz Koglmann.

Was bedeutet dieses Festival für improvisierte Musik für Sie heute?
Kropinski Ich bin froh, dass es nach so langer Zeit und nach jahrelanger Pause heute nun wieder lebt und jungen Musikern ein Podium bietet, weiterzuführen, was wir damals begannen.

Sie haben in der DDR mit vielen profilierten Jazzmusikern gespielt und sind 1986 nach Nürnberg, später nach Köln gegangen. Was hat dieser Schritt für Ihre Arbeit als Musiker und Komponist bedeutet?
Kropinski Andere Welt, andere Musiker, aber zum Glück … man lebt weiter mit der gleichen unendlichen Musik, die alles bedeutet und das Leben lohnt.

Seit 1998 leben Sie wieder in Berlin - wie anregend ist die Stadt heute?
Kropinski Berlin ist ein Sammelbecken für kreative Musiker geworden, und ich verfolge diese Entwicklungen mit Interesse.

Welche Projekte mit anderen Künstlern sind Ihnen besonders wichtig?
Kropinski Die Musiker, mit denen ich am meisten spielte, sind mir die wichtigsten. Das sind Bassist David Friesen, die Posaunisten Konrad Bauer und Johannes Bauer, Gitarrist Joe Sachse, Pianist Dieter Köhnlein und Flötist Michael Heupel.

Sie arbeiten auch als Fotograf. Wie haben Sie dieses Medium für sich entdeckt?
Kropinski Fotografieren heißt, sich ein persönliches Bild von der Welt zu machen. Der Fotograf macht keine Bilder, er nimmt die Bilder in sich auf. Das Foto zeigt dann, welchen Eindruck das Sichtbare auf ihn gemacht hat - das finde ich sehr spannend.

Wie feiern Sie heute Geburtstag?
Kropinski Mit meiner Mutter, die am gleichen Tag Geburtstag hat und 87 wird. Ein paar Tage später gibt es ein Geburtstagskonzert im "Schlot" Berlin mit meinem Trio.

Was beschäftigt Sie aktuell?
Kropinski Zurzeit liebe ich mein neues Trio mit Susanne Paul, Cello, und Vladimir Karparov, Saxofon. Ansonsten ist Musik für mich eine lebenslange, unendliche Aufgabe und Freude. Man übt, man singt, man spielt, und daraus ergibt sich dann alles andere, wenn es soweit ist.

Mit Uwe Kropinski

sprach Ingrid Hoberg

Zum Thema:
Jazzkritiker Bert Noglik sagt: "Kropinski hat die Gitarre in ein anderes, neues, eigenes Instrument verwandelt.”Am Samstag, 25. Februar, 21.30 Uhr, Geburtstagskonzert mit dem Trio in der Kulturfabrik Schlot in Berlin, Invalidenstraße 117 (Edisonhöfe).Zur Jazzwerkstatt Peitz Nr. 54 (9. bis 11. Juni) gibt es am Montag, 29. Mai, 20 Uhr, im Glad-House Cottbus, Konzert und Film "Festivalschnipsel" von und mit Uwe Kropinski.