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Spektakulärer Fürsten-Tauchgang

Fürst Pückler scheute kein Abenteuer.
Fürst Pückler scheute kein Abenteuer. FOTO: Archiv
Cottbus. Ein spektakulärer Tauchgang des Fürsten Pückler in London jährt sich zum 190. Mal. Von den Reiseerlebnissen des "grünen" Fürsten erzählt eine neue Dauerausstellung im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz, geöffnet ab 8. September red/ik

"Die Neugierde führte mich heute nochmals zu den Arbeiten am Tunnel, wo ich in der Taucherglocke mit auf den Grund des Wassers hinabfuhr und wohl eine halbe Stunde dem Stopfen der Lehmsäcke, um den Bruch wieder mit festem Boden zu füllen, zusah. Einen ziemlich starken Schmerz in den Ohren abgerechnet, aus denen sogar bei manchen Menschen Blut fließt, ohne jedoch nachher der Gesundheit zu schaden, fand ich es, je tiefer wir sanken, desto behaglicher in dem metallenen Kasten, der oben dicke Glasfenster hat, neben welchen zwei Schläuche ausgehen, die frische Luft ein- und die verdorbene ausblassen. Dieses Behältnis hat keinen Boden, sondern nur ein schmales Brett, um die Beine darauf zu stellen, nebst zwei festen Bänken an den Seiten. Einige Grubenlichter geben die nötige Helle. Die Arbeiter hatten herrliche Wasserstiefel, welche 24 Stunden lang Nässe widerstehen, und es belustigte mich, die Adresse des Verfertigers derselben hier bei den Fischen, auf des Stromes tiefunterstem Grunde' in mein Portefeuille zu schreiben." So schreibt Hermann Fürst von Pückler-Muskau an seine in Bad Muskau gebliebene geschiedene Frau Fürstin Lucie vor fast genau 190 Jahren am 20. August 1827. Er ist auf erneuter Brautschaureise in England unterwegs und erstaunt, wie weit die Technik dort entwickelt ist. Fürst Pückler steht dem technischen Fortschritt aufgeschlossen gegenüber. Im England des 19. Jahrhunderts lernt er ein wahres Eldorado der technischen Neuerungen kennen.

Der erste Themse-Tunnel wird in den 1820er-Jahren in London gebaut. Dabei kommt es zu Wassereinbrüchen, bei denen mehrere Arbeiter ertrinken. Um die Londoner von der Sicherheit des Baus zu überzeugen, wird der Bauingenieur Marc Isambard Brunel (1769-1840) von den Unternehmern beauftragt, im Tunnel ein Festessen auszurichten. Pückler hat die Arbeiten zur Beseitigung eines der Tunnelbrüche bei seinem Londoner Aufenthalt verfolgt und schreibt über dieses Abenteuer.

Dieses Erlebnis und noch so manch anderes Abenteuer können die Branitzer Besucher ab 8. September in der neuen Dauerausstellung "Meister der Landschaft. Fürst Pückler und Carl Blechen" erleben. Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am 7. September um 11 Uhr im Besucherzentrum auf dem Gutshof Branitz statt.

Doch schon seit gestern sind wieder die Türen des Besucherzentrums als ersten Anlaufpunkt für Informationen und Tickets geöffnet. Neu gestaltet und mit einem erweiterten Sortiment präsentiert sich der Museumsshop. Wer dann schon die Cottbuser Sammlung der Werke von "Carl Blechen und Künstlerkollegen" in den Galerieräumen der unteren Etage besuchen möchte, kann ganz nebenbei den Ausstellungsgestaltern und Handwerkern bei deren Arbeiten bis zur Eröffnung der neuen Dauerausstellung über die Schultern schauen und sich darauf einstimmen lassen.

Öffnungszeiten: bis 31. Oktober, täglich von 10-17 Uhr; November und Dezember: Samstag und Sonntag, 11-16 Uhr