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"Spektakel mit viel Emotion" in Senftenberg

Eva Geiler und Catharina Struwe während der Probe zu "Blutmordrache".
Eva Geiler und Catharina Struwe während der Probe zu "Blutmordrache". FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Nudelsieb, Gartenrechen, Schneebesen oder Schöpftopf sind Requisiten, mit denen Jan Mixsa seine Nornen, die eigentlich feenhafte Schicksalsverkünder im Land der Nibelungen sind, ausstattet. Auch der Drache aus Zinkbadewannen, in dessen Blut Siegfried baden wird, scheint einem Haushalt oder einer Haushaltsauflösung entstiegen. Heidrun Seidel / hsd

Eigenwillig, aber faszinierend kreativ, bildhaft und mit viel Witz hat sich der Figurenspieler und Regisseur den im Mittelalter angesiedelten Stoff der Nibelungensaga vorgeknöpft und im Wissen um die Texte von Friedrich Hebbel, Richard Wagner oder die Edda-Heldensagen einen eigenen Reim auf die Nibelungen gemacht.

Jan Mixsa ist einer der drei Regisseure, die Senftenbergs Intendant, Manuel Soubeyrand, für das Spektakel 2017 ausgewählt hat. Mit seiner Inszenierung wird er wie mit einer Ouvertüre, doch auf unkonventionelle Art, einstimmen auf den Theaterabend um Liebe, Macht, Intrigen und Gewalt.

Die französische Regisseurin Sandrine Hutinet, die Soubeyrand schon aus früherer Zusammenarbeit kennt, inszeniert den zweiten Teil des Abends und folgt dabei den Hebbelschen Nibelungen-Teilen "Der gehörnte Siegfried" und "Siegfrieds Tod".

Tilo Esche, der zuletzt mit dem "Faust in seiner ursprünglichen Gestalt" Aufmerksamkeit erlang, inszeniert im dritten Teil des Abends Kriemhilds bittere Rache bis zum Untergang, aber auch unterhaltsam, so Soubeyrand, ist es, "wie sich in einer Art Ritterposse kraftstrotzende Männer mit Schwertern hauen".

Der im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verwandelte Stoff, der trotz seiner über tausendjährigen Geschichte auch eine ernüchternde Aktualität hat, soll durch die drei unterschiedlichen Handschriften und Sichten eine besondere Spannung bekommen. "Ein bisschen Risiko ist dabei, aber wir hoffen, dass uns das Experiment gelingt", so Soubeyrand.

Mit Ausstattung und Bühnenbild (Jenny Schall und Stefan Fernau) bleibe immerhin eine ästhetische Klammer um den Theaterabend.

Zum Spektakel, das vierte in Soubeyrands Amtzeit als Intendant, der die Form der Spielzeiteröffnungen mit den vorangegangenen Glück-Auf-Festen aufgegriffen hat, wird sich das Theater in einen Wald verwandeln.

In ihn wird das Publikum auf abenteuerliche Weise entführt. Hier begegnen ihm die Protagonisten des deutschen Nationalepos, der Drachentöter Siegfried, der durchtriebene Hagen, der schwächelnde König Gunther, Kriemhild, Brunhild und die anderen mit ihrem intriganten wie derben Spiel um Macht.

Trotzdem sollen nicht nur am Premierenabend - dem Vorabend der Bundestagswahlen - die Besucher an der anspruchsvollen Thematik und ihrer unterschiedlichen Umsetzung Freude am Spiel haben.

Zum Thema:
Das Spektakel findet vom Tag der Premiere am Samstag um 18 Uhr bis zum 4. November zu folgenden Terminen statt: 23. und 30. September, je 18 Uhr; 6., 13., 20. und 27. Oktober um 19 Uhr; 7., 14., 21. und 28. Oktober und 4. November, jeweils 18 Uhr. Außerdem am 2. November, 19 Uhr, für Studenten. Karten für 45 Euro im Vorverkauf oder 50 Euro an der Abendkasse (Premiere 60 Euro) in den bekannten Vorverkaufsstellen, im Internet unter www.theater-senftenberg.de , an der Theaterkasse oder unter Telefon 03573 801286. Theater- und zeitgerechte Unterhaltung für Leib und Seele ist für die Pausen und zum Ausklang vorgesehen. hsd