Teil zwei des Abends aber eröffnete er, Autor von mehr als 50 Musikwerken, als Komponist. Das heißt, zum abendfüllend und durchweg überzeugend bewegend spielenden Cottbuser Streichquartett um Primaria Birgitt Wiethaus gesellte sich hier eine weitere Solistin des Cottbuser Philharmonischen Orchesters: Cornelia Schmidt - bei den poetischen, im Quartettpart raunenden, dann frischen „Replikationen“ .
Ein Abend im Zeichen von 850 Jahren Cottbus. Dazu eine kleine klingende Bilanz aus den letzten Jahren und Jahrzehnten. Das wäre sicher auch im Sinne des Namenspatrons Chopin gewesen. Schon das erste Stück des Abends ehrt einen Großen des verflossenen Jahrhunderts: Dmitri Schostakowitsch, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag hätte. Was er selbst viele Male getan hat, die Töne D, (E)S, C, H aus seinen Namen zu zitieren und zu variieren, unternahm der Cottbuser Harald Lorscheider (1939-2005) - ein dichtes, ein hörenswertes Stück.
Kluge Programmgestaltung: Auf dem Fuße folgen in logischer Anknüpfung Detlev Kobjelas „Initialen“ für Violoncello. Das ist kraftvoll, melodiös, mitunter liedhaft. In Läufen kann Cellist Frank Wiethaus seine Virtuosität entfalten. Dann Zusammenspiel mit seiner Frau Birgitt (1. Violine) bei der „Heiteren Elegie“ von Hans Hütten.
Unter den acht Komponisten des Abends ist noch einer, der selbst mal am Cottbuser Theater war, als Chef der Schauspielmusik: Frank Petzold. Nun lehrt er hier an der Fachhochschule Lausitz. Auch Jan Paul Nagel (1934-97) und seine drei sorbischen Tänze fehlen nicht -die haben Anmut und Grazie. Ein rhythmisches Element: Der Cellist muss immer wieder auf Holz klopfen. Ulrich Pagoda, der es vom Bauingenieur zum Redakteur für sorbische Musik beim ORB gebracht hat, komponiert stark gestisch. Drei seiner Marionettentänze kommen hier zur Geltung, darunter sein farbiger „Spaß mit Harlekin“ .
Auch die Interpreten des Abends haben schon 15 Jahre Cottbuser Musikgeschichte mitgeschrieben: Das Cottbuser Streichquartett, 1990 aus dem Küster-Quartett des Orchesters als dessen Nummer eins unter mehreren Quartetten hervorgegangen, hat die Stadt mittlerweile bei vielen Festivals vertreten.
Cornelia Schmidt wird auch zu den Solisten beim 33. Cottbuser Musikherbst gehören, das Cottbuser Streichquartett zu den dabei mitwirkenden Ensembles.