ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 08:18 Uhr

Spannung verzweifelt gesucht

"Eleanor & Collette" ist ein dröges Krankenhaus-Drama ohne Dramaturgie. Philip Dethlefs

"Eleanor & Collette" ist ein dröges Krankenhaus-Drama ohne Dramaturgie.

Männer in Weiß halten Eleanor Riese fest. Sie wehrt sich nach Kräften und schreit: "Bitte tut mir nicht weh!" Doch das Pflegepersonal des Krankenhauses ist stärker. Gegen ihren Willen bekommt Eleanor Medikamente verabreicht. Ruhiggestellt liegt sie in einem Isolationszimmer, das für sie eine Gefängniszelle ist. So oder so ähnlich soll sich die Anfangsszene von "Eleanor & Colette" im Jahr 1985 zugetragen haben - das Drama des dänischen Regisseurs Bille August ("Les Misérables") beruht auf einer wahren Geschichte.

Die britische Schauspielerin Helena Bonham Carter spielt Eleanor Riese, die seit einer Hirnhautentzündung an paranoider Schizophrenie leidet. Sie hat sich freiwillig in die Klinik begeben. Doch als bei ihr starke Nebenwirkungen auftreten, bekommt Eleanor die Zwangsbehandlung. Daraufhin schaltet sie die Anwältin Colette Hughes ein, die von Oscar-Gewinnerin Hilary Swank gespielt wird. Gemeinsam mit Mort Cohen (Jeffrey Tambor) legen sich die Frauen mit dem US-Gesundheitswesen an und werden nebenbei zu Freundinnen.

Die Geschichte spielt zwar in San Francisco, das in mehreren Außenaufnahmen zu sehen ist. Der Film wurde aber zu großen Teilen in den Kölner MMC Studios gedreht. "Eleanor & Colette" ist eine deutsch-belgische Co-Produktion, die von der Filmförderung Nordrhein-Westfalen unterstützt wurde.

Swank hat als Anwältin und ehemalige Krankenschwester Colette die einfacherer Rolle. Die zweimal Oscar-nominierte Bonham Carter hingegen müht sich redlich, die psychisch kranke Eleanor darzustellen. Manchmal wirkt sie dabei jedoch wie eine der skurrilen Figuren, die sie in "Dark Shadows", "Harry Potter" und "Sweeney Todd" gespielt hat. In ihren besten Momenten ist es allerdings im positiven Sinne anstrengend, ihr zuzusehen, weil man als Zuschauer zugleich Mitleid empfindet.

Der Film hat ein paar ergreifende Momente - etwa wenn Eleanor sich im Gerichtssaal zu beherrschen versucht, als die erste Verhandlung am obersten Gerichtshof scheitert. Oder als sie mitten in der Nacht einen Zusammenbruch erleidet. Daneben gibt es einige lustige Szenen, die den Film etwas auflockern. "Weißt du Eleanor", sagt Colette nach einem unbedeutenden Streit, "du bist nicht schwer behindert. Du bist nur schwer zu ertragen."

Leider bedient "Eleanor & Colette" aber auch diverse Klischees des Kinos. So sind rührselige Szenen mit bedächtiger, kitschiger Klaviermusik unterlegt. Und wenn man gerade das Gefühl bekommt, dass es gut für die Frauen läuft, muss natürlich noch mal eine schlechte Nachricht kommen, um die Spannung aufrechtzuerhalten. Doch wirkliche Spannung will bei all dem gar nicht aufkommen. Dramaturgisch kann Bille Augusts Film, in dem die Gerichtsverhandlungen zu kurz kommen, nicht überzeugen. Er plätschert zu sehr dahin und lässt gegen Ende noch deutlich nach. Bille August inszeniert das Drama zu standardmäßig. Linear erzählt er die Geschichte und lässt überwiegend die Dramatik vermissen. Das ist dröge - und zu wenig für die große Leinwand.

Eleanor & Colette, BRD, Belgien 2017 - Regie: Bille August, mit Helena Bonham Carter, Hilary Swank, 115 Min.