März 1982 starb, trauerte nicht nur die DDR um einen der profiliertesten und eigenwilligsten Künstler der DDR, der den Ruf der ostdeutschen Filmkunst mit Filmen wie "Der geteilte Himmel" (1964) nach Christa Wolfs Roman, "Ich war neunzehn" (1968) mit dem jungen Jaecki Schwarz, "Goya" (1972) und "Solo Sunny" (1978) über die Grenzen des Landes hinaus prägte.
Erst im Oktober 2005 hatte die Defa-Stiftung, die das künstlerische Erbe der früheren DDR-Filmgesellschaft verwaltet, zu Wolfs 80. Geburtstag eine umfangreiche Filmtour durch Deutschland mit über 20 Filmen veranstaltet. Sogar das New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) in New York nahm den runden Geburtstag zum Anlass für eine Würdigung, an der auch sein Bruder, der frühere Geheimdienstchef der DDR, Markus Wolf, teilnahm. Der Sicherheitschef ist im vergangenen November ausgerechnet in der Nacht zum Jahrestag des Mauerfalls am 9. November im Alter von 83 Jahren überraschend gestorben. Er hatte nach seinem Ausscheiden aus dem DDR-Ministerium für Staatssicherheit 1989 das Buch "Die Troika" über seinen Bruder und die Familie Wolf um den Schriftsteller Friedrich Wolf und deren Moskauer Exil zur Nazi-Zeit veröffentlicht.
Auf die Frage, was sein Bruder über das Ende der DDR gedacht hätte, meinte Markus Wolf: "Konni hätte viel mehr Schwierigkeiten gehabt als ich, er war vom Wesen her viel sensibler. Ich war durch meine Tätigkeit abgehärteter, auch durch Schicksalsschläge." Als Konrad Wolfs auf der Berlinale 1989 mit einem Darstellerpreis (Renate Krössner) ausgezeichneter Film "Solo Sunny" über die mutige Suche einer Jazzsängerin nach einer eigenen Lebensform im grauen sozialistischen Alltag der DDR im Stasi-Ministerium vorgeführt wurde, seien seine Mitarbeiter weitgehend sprachlos gewesen, erinnerte sich der frühere Stasi-General.
"Vielleicht waren die Kollegen von der gesellschaftlichen Wirklichkeit, die der Film realistisch widerspiegelte, schon zu weit entfernt, ein Vorwurf, den ich mir ja auch machen muss." Im offiziellen Nachruf der SED 1982 im Zentralorgan "Neues Deutschland" wird Konrad Wolf zu den "bedeutendsten Kulturschaffenden" der DDR gezählt, der sich "um die Entwicklung der sozialistischen Nationalkultur der DDR große Verdienste erworben" habe. Weggefährten dagegen meinten, Wolf sei im Grunde immer der Träumer geblieben, der er schon als Schuljunge gewesen sei.
Ein Träumer, der sich schließlich in der rauen Wirklichkeit der SED-Kulturpolitik, die zum Beispiel unter Walter Ulbricht ("Was soll dieses Yeah, yeah, yeah„") einen ganzen Defa-Jahrgang mit Filmen wie Frank Beyers "Spur der Steine" verbot, heillos verhedderte. Es machte ihn krank. 1976 war der aus der DDR ausgebürgerte Wolf Biermann für Konrad Wolf noch "ein Mann, der einen anderen Weg geht als wir". Bald aber notierte sich Wolf die Frage: "Mit wachsendem Alter stellt man sich immer mehr die Frage: Bist du am richtigen Platz“" Er starb am 7. März 1982 im Alter von nur 56 Jahren. Vergessen sind seine Filme nicht, manche von ihnen gehören längst zum Film-Kanon der deutschen Nachkriegsgeschichte.