Schüler kamen nicht - aber Meto Pernak, Lyriker und Herausgeben aus Berlin, und die Pfarrerin Katharina Köhler aus Dissen.

Timo Mekank hat umfangreich recherchiert, Stasi-Akten, Protokolle von Vorstandssitzungen des DDR-Schriftstellerverbandes oder des Bundesvorstandes der Domowina und Analysen von Kollegen gelesen. Zeitungsartikel, Aufsätze, Briefe und Berichte unter anderen von Erich Loest, Milan Kundera, Jurij Brezan, Kito Lorenc und Peter Jokostra führt er an. Ja, selbst aus den Tagebüchern von Brigitte Reimann zitiert er. So kann Mekank das Spannungsverhältnis zwischen der SED-Diktatur und den Sorben/Wenden auffächern. Deutlich wird: Während die Entscheidungsträger der Domowina und andere sorbischer Institutionen die kulturellen, wissenschaftlichen und literarischen Aktivitäten zu überwachen oder notfalls zu unterbinden hatten, zogen sich die Menschen mit ihrer Sprache und ihren Bräuchen zurück. Was einst lebendig war, wirkte jetzt oft nur noch künstlich und aufgesetzt. Die Minderheitenpolitik in den Anfängen der DDR, so Mekank, war die der Moskau-Fraktion: Die Minderheit sollte erblühen und dann in Masse aufgehen und langsam verschwinden.

Vor drei Jahren war Mekanks Buch in obersorbischer Sprache erschienen. Der 49-Jährige ist Historiker und Zeitzeuge zugleich. Er gehörte in den 80er-Jahren zu einer oppositionellen Studentengruppe und wurde von mehreren IMs des Ministeriums für Staatssicherheit bespitzelt. In Leipzig war er aufgewachsen, und muss sieben Jahre alt gewesen sein, als er mit seinem Großvater Jan Mekank zu Pfarrer Gerhard Wirth nach Neschwitz fuhr. Die Männer waren befreundet. Pfarrer Wirth, daran erinnert sich Timo Mekank, gab damals (1971) dem Großvater eine sorbische Luther-Bibel von 1728 mit und soll das mit den Worten kommentiert haben: "Nach mir wird hier nichts Sorbisches mehr sein, nicht einmal ein Interesse für das Sorbische."

Lutz Rathenow liest die Sorbische Zeitung in deutscher Sprache. "Seit Mekank für sie schreibt, ist sie noch interessanter", sagt er. Im März 2011 wurde Rathenow zum Sächsischen Landesbeauftragten für die Stasi-Unterlagenbehörde berufen. Und als es Kritik und zugleich Beifall für das Buch "Instrumentalisierung einer Kultur" zu hageln begann, lud Rathenow Mekank ein. Angreifbar macht sich Mekank, weil er seine Forschungsergebnisse an Personen festmacht. Er schreibt, wer als inoffizieller Mitarbeiter, wer als geheimer Mitarbeiter oder im operativen Vorgang für die Staatssicherheit wirkte. Auch den Glauben einiger Zuhörer, Niedersorben seien im Gegensatz zu Obersorben nicht in die SED eingetreten, wischt er weg. "17 Prozent der Menschen in der DDR waren Mitglied in der SED. Unter den Sorben lag der Anteil nur bei vier Prozent - aber Niedersorben waren ebenso darunter", sagt Timo Mekank.

Es ist ein wissenschaftliches Buch, liest sich aber wie ein Krimi. Was dem Buch noch guttut - insbesondere wenn es tatsächlich in englischer Sprache erscheint - ist ein Personenregister, das auch Angaben zu den aufgelisteten Personen macht.

Timo Mekank: Instrumentalisierung einer Kultur. Domowina-Verlag 2014.