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Sorbische Themen beim 27. Filmfestival Cottbus
Brauchtum reloaded: Sorben und Wenden beim Festival

 .Dem sorbischen Schriftsteller und Regisseur Jurij Koch (l.) war in der Sektion Heimat/Domownja/Domizna während des  Festivals am Mittwochabend in der Kammerbühne des Cottbuser Staatstheaters mit den Filmen „Ein Leben in der Lausitz – Der Schriftsteller Jurij Koch“ (Konstanze Weidhaas, Deutschland 2011) – im Bild rechts. – sowie „Die Schmerzen der Lausitz“ (Peter Rocha, DDR 1990) eine Hommage gewidmet. 
 .Dem sorbischen Schriftsteller und Regisseur Jurij Koch (l.) war in der Sektion Heimat/Domownja/Domizna während des  Festivals am Mittwochabend in der Kammerbühne des Cottbuser Staatstheaters mit den Filmen „Ein Leben in der Lausitz – Der Schriftsteller Jurij Koch“ (Konstanze Weidhaas, Deutschland 2011) – im Bild rechts. – sowie „Die Schmerzen der Lausitz“ (Peter Rocha, DDR 1990) eine Hommage gewidmet.  FOTO: Michael Helbig
Cottbus. Die Sektion Domownja heißt nun auch Domizna. Peter Blochwitz

Ein Film über niedersorbische Bräuche innerhalb der Reihe Heimat | Domownja hat im vergangenen Jahr  beim Publikum  des Cottbuser Filmfestivals  zu lebhaften Diskussionen geführt. Und selbstverständlich sind auch diesmal die Sorben/Wenden mit einer eigenen Reihe vertreten.

„Die Filmreihe präsentiert sich 2017 erweitert um den obersorbischen Begriff von Heimat. Sie heißt nun  Heimat | Domownja | Domizna,  denn natürlich geht es um die gesamte Lausitz, ihr Filmschaffen und Dinge, die die Menschen hier bewegen“, sagt Dr. Grit Lemke, Kuratorin der Filmreihe.

Unter dem Titel „Entstaubt. Brauchtum reloaded“ zeigen die Sektionsbeiträge aus den Jahren 1961 bis 2016, wie unterschiedlich das Thema des Brauchtums angegangen werden kann: „Sami Blood“ (Freitag, 19.30 Uhr, Obenkino)  erzählt die berührende Geschichte einer jungen Sami, deren Sprache und Kultur in den 1930er-Jahren brutal unterdrückt wird. „Serbski Son  – Sich sorbisch trauen“ (Donnerstag, 19 Uhr, Obenkino, Sonntag, 16.30 Uhr, Glad-House) begleitet ein junges Oberlausitzer Paar im Jahr 2000 bei den Hochzeitsvorbereitungen und in einem sorbischen Alltag im weitgehend deutschen Umfeld – ein Film, der seinerzeit ebenfalls Kontroversen auslöste.

Regisseur Mario Schneider wiederum begleitet in  „Mansfeld“  mit genauem Blick die jugendlichen Protagonisten eines jahrhundertealten Brauchs der Winteraustreibung im Mansfelder Land.

Wie sorbische Filmschaffende selbst ihr Brauchtum und ihre Geschichte darstellten, zeigte ein Programm mit Archivfilmen, die als Modellprojekt zur Bewahrung sorbischen Film-
digitalisiert werden konnten. Begleitend zum 27. Filmfestival Cottbus widmete sich am Dienstag und Mittwoch dieser Woche  das Symposium „Filmerbe bewahren – Die unsichtbare Geschichte der Sorben/Wenden“ dieser Thematik.

Traditionell ehrt eine Hommage innerhalb der Sektion Lausitzer Kunstschaffende. In diesem Jahr ist sie dem sorbischen, in Cottbus lebenden Dichter und Publizisten Jurij Koch gewidmet. Neben einem Porträt des Künstlers und Klassikern gibt es ein weniger bekanntes Werk neu zu entdecken: Tanz auf der Kippe“   ist gleichermaßen Abgesang auf die DDR wie Coming-of-Age-Drama, kraftvoll und rebellisch. In einem Werkstattgespräch wird Koch berichten, wie aus einem Buch ein Szenarium entsteht (Freitag, 15.30 Uhr, Wendisches Haus in    Cottbus, ).

Heimat | Domownja | Domizna  schließt mit einer opulenten Großproduktion, die im Auftrag von rbb und MDR entstand: Die Welturaufführung von  „Wir Slawen in Deutschland | My   Slowany w Nimskej“  erzählt die Geschichte der Lausitz und der Sorben in großen Bildern und nach neuen Quellen. Zu sehen am Sonntag um 14 Uhr im Glad-House

Im Rahmen des 27. Filmfestivals Cottbus findet am Sonnabend ab 10 Uhr  das mittlerweile 4. Treffen des deutsch-sorbischen Netzwerks Lausitzer Filmschaffender statt, bei dem Mitglieder und Interessierte auf einem Workshop mit Experten zu Stoffentwicklung und Filmförderung ihre Projekte vorstellen und sich austauschen können.

Teil des Festival-Rahmenprogramms  ist darüber hinaus die Videoinstallation „Besuch in der Heimat“ von Frauke Rahr: Der Alltag der Sorbin Emma Krahlowa aus Rohne in zwei Filmen. Schwarzweiß und Farbe, zwischen ländlichem Idyll und industrieller Realität. Künstlerin Frauke Rahr dekonstruiert in ihrer Videoinstallation die Idylle als trügerisch und die Stereotype als verlogen. Die Installation ist während der Festivalwoche im Glad-House/Slow  zu sehen (täglich bis Sonnabend von 12-24 Uhr, am Sonntag 12-18 Uhr, Eintritt frei).