Es ist wieder so weit: Zeit für Ballauf und Schenk, Zeit für Wurstfrühstück, Zeit für rücksichtslosen Zoff und authentische Tragik.

Die Story: Monika Fellner ist „wie so’n Bullterrier“. Sie arbeitet auf dem Jugendamt. Ihre Aufgabe: Geld eintreiben - von zahlungssäumigen Vätern. Druck machen, das kann sie. Ob beim sexy Dachdecker oder beim Pippi-Langstrumpf-Papa. Alle hassen sie. Einer erschlägt sie. Balauf und Schenk haben schnell die ersten Verdächtigen. Sie stoßen auf getrennte Elternpaare, die gegeneinander kämpfen. Ohne Rücksicht auf ihre Kinder. Und die sind eindeutig die Verlierer in diesem Schauspiel.

Die Umsetzung: Sanfter Einstieg, höchst dramatisches Ende. Köln liefert uns einen Tatort mit tragischen Figuren. Stille Momente, starke Bilder. Es gibt Szenen, da spürt man förmlich die Zerrissenheit, die Angst, den Schmerz der Kinder.

Glückliche Trennung? Fehlanzeige

Aha-Moment: In Deutschland zahlen nur ein Viertel aller unterhaltspflichtigen Väter oder Mütter regelmäßig den gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt für ihre Kinder. 75 Prozent sagen, sie können es sich nicht leisten. Traurig, aber wahr: Eltern, die trotz Trennung gemeinsam für ihre Kinder da sind, scheinen eher die Ausnahme zu sein.

Haha-Moment: Die Hauptkommissare fragen eine junge Mutter, wer der Vater ihres Kindes ist. Ihre Antwort: „Fozzie Bär.“ Angeblich war es ein One-Night-Stand während der Karnevalszeit...

Hä-Moment: Da gibt es so einige. Höchst verwunderlich allerdings ist das Verhalten von Ingrid Kugelmeier. Sie war die enge Kollegin der Toten, lässt wichtige Dokumente verschwinden, raucht als wäre sie die erste Mordverdächtige und hat eine komische Verbindung zum Chef.

Das Fazit: Keine Zeitverschwendung! Empfehlung gilt aber nur für all diejenigen, die Familiendramen momentan ertragen können. Die es verkraften, mit einem dicken Kloß im Hals auf dem Sofa zu sitzen, während der Abspann läuft. Tragischer können Verbindungen nicht auseinandergehen. Familiendrama in trauriger Perfektion. Heile Welt adé!

Köln

Krimi-Kolumnistin Anja Hummel
© Foto: Sven Bock