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| 17:30 Uhr

29. Jahrgang
„Smuggling Hendrix“ eröffnet Filmfestival Cottbus

 „Smuggling Hendrix“: Was nun? Der Hund des griechischen Zyprioten Yiannis (Adam Bousdoukos, l.) ist in den türkischen Teil Zyperns ausbebüxt. 
„Smuggling Hendrix“: Was nun? Der Hund des griechischen Zyprioten Yiannis (Adam Bousdoukos, l.) ist in den türkischen Teil Zyperns ausbebüxt.  FOTO: Pallisfilm
Cottbus . Regionale Filmemacher sind aufgerufen, bis zum 15. Oktober ihre Beiträge zur Lausitzer Filmschau einzureichen. Von Peter Blochwitz

Das Filmfestival Cottbus eröffnet am 5. November seine 29. Ausgabe feierlich im Großen Haus des Cottbuser Staatstheaters. Eröffnungsfilm ist die grenzüberschreitende Komödie „Smuggling Hendrix“, das Spielfilmdebüt von Regisseur Marios Piperides, teilt das Festival mit. Das Werk mit dem „Soul Kitchen“-Star Adam Bousdoukos in der Hauptrolle holte bereits zahlreiche internationale Auszeichnungen, unter anderem beim Tribeca Filmfestival  in New York.
„Der auf Zypern spielende ,Smuggling Hendrix’ als Eröffnungsfilm steht spiegelbildlich für den 30. Jahrestag des Mauerfalls: Während wir uns seit drei Jahrzehnten über den Fall des Eisernen Vorhangs freuen können, ist die Insel im östlichen Mittelmeer seit 1974 durch eine schwer bewachte Grenze geteilt“, erklärt Festival-Programmdirektor Bernd Buder. „Gleichzeitig versinnbildlicht der von Griechenland, Zypern und Deutschland koproduzierte Film die Erweiterung des Territoriums des Filmfestivals Cottbus, das ab diesem Jahr auch Arbeiten aus Finnland, der Türkei und Griechenland zeigt. „Zu diesem gedanklich weiter gefassten Osteuropa passt ,Smuggling Hendrix’, der an der Trennline zwischen dem griechischen und dem türkischen Teil Zyperns und damit auch zwischen Europäischer Union und Nicht-EU spielt.“

In dem Streifen stellt Adam Bousdoukos den erfolglosen Musiker Yiannis dar. Der griechische Zypriot will Nikosia und Zypern hinter sich lassen, um ein neues Leben in Westeuropa zu beginnen. Nachdem ihn seine Freundin verlassen hat, bleibt ihm sein Hund Jimi als letzter Verbündeter. Der nach Gitarrengott Hendrix benannte Hund büxt allerdings in den türkischen Teil der Insel aus – und ein EU-Gesetz verbietet Tieren strikt, von der türkischen auf die griechische Seite der Grenze einzureisen . . . Der Verleih „Filmperlen“ bringt „Smuggling Hendrix“ ab 14. November bundesweit ins Kino.

Die Perspektiven, mit denen die neuen Filmländer das Cottbuser Festival erweitern, spiegeln sich auch in der Besetzung der diesjährigen Dialog-Jury wider. Zu dieser gehören die finnisch-russische Schauspielerin Alina Tomnikov, der in Athen geborene Regisseur und Produzent Thanos Anastopoulos, der in Griechenland und Italien lebt und arbeitet, sowie die seit 2000 in Berlin ansässige türkische Filmemacherin Aslı Özge, die mit Werken wie „Men on the Bridge (2009) oder „Auf einmal“ (2016) bei den großen Festivals in Locarno und Berlin überzeugte. Das Trio diskutiert darüber, welches Werk aus dem 2019er-Festival-Jahrgang den interkulturellen Dialog im Sinne der Verständigung zwischen den Kulturen künstlerisch am überzeugendsten gestaltet. Für den  Gewinnerfilm steht ein Preisgeld von 3000 Euro, gestiftet vom Auswärtigen Amt, in Aussicht.
Das 29. Filmfestival Cottbus findet vom 5. bis 10. November dieses Jahres statt. In vier Wettbewerben und elf weiteren Sektionen zeigt das Festival rund 200 Filme, die um ein Preisgeld von etwa 80 000 Euro und die  Preisskulptur Lubina (sorbisch: die Liebreizende) konkurrieren. Im vergangenen Jahr hatten mehr als 22 000 Zuschauer das Festival des osteuropäischen Films in Cottbus besucht.

Eröffnet wird die Festivalwoche seit 17 Jahren mit der Cottbuser Filmschau von Filmschaffenden aus der Region. Mit seiner diesjährigen Ausgabe erhält dieser Kurzfilmwettbewerb einen neuen Namen: Lausitzer Filmschau. Ergänzt ist der Titel um das nieder- und obersorbische Łužyska filmowa psegledka und Łužiska filmowa prehladka.

„Mit der deutsch-niedersorbisch-obersorbischen Benennung tragen wir dem wachsenden engagierten Filmschaffen in der gesamten Lausitz Rechnung und möchten darüber hinaus die sorbische/wendische Sprache im Film fördern“, sagt Andreas Stein, Geschäftsführer des Festivalveranstalters pool production. „Der neue Name macht zudem die Selbstverständlichkeit der länderübergreifenden Lausitzer Identität deutlich sichtbar.“

Und so können alle Filmschaffenden aus der Nieder- und Oberlausitz Beiträge einreichen, die nicht im kommerziellen beziehungsweise professionellen Kontext entstanden sind – ob spontaner Spaßfilm mit Freunden, schulisches Filmprojekt, lokaler Dokumentarfilm, herzzerreißendes Drama oder experimentierfreudige Social-Media-Novel. Die Filmschaffenden sind aufgerufen, ihre Werke (bis maximal 20 Minuten Laufzeit) bis zum 15. Oktober  einzureichen.

Die Lausitzer Filmschau – Łužyska filmowa psegledka und Łužiska filmowa prehladka eröffnet dann  am Montag, 4. November, im Filmtheater Weltspiegel Cottbus die 29. Festivalwoche. Die Teilnehmenden haben die Chance auf drei Preise: Für den besten Film wird der Hauptpreis in Höhe von 1500 Euro vergeben, gestiftet von Apex Projekt Cottbus. Über die Vergabe des Preises entscheidet eine unabhängige dreiköpfige Jury. Der Sonderpreis der Stiftung für das sorbische Volk, der ausschließlich an einen Film vergeben wird, der sich inhaltlich mit den  Sorben/Wenden oder/und der Zweisprachigkeit in der Lausitz beschäftigt, ist dotiert mit 1000 Euro. Über die Vergabe entscheidet ebenfalls die Jury. Die Besucher des Kurzfilmwettbewerbs  entscheiden mittels eines Stimmzettels am Abend der Veranstaltung über den Gewinner des Publikumspreises, einen Einkaufsgutschein im Wert von 250 Euro. Dieser wird gestiftet von der Spreegalerie Cottbus.

Ausführliche Informationen zur Filmeinreichung und zum Reglement der Lausitzer Filmschau unter
www.filmfestivalcottbus.de/fs

 „Smuggling Hendrix“: Was nun? Der Hund des griechischen Zyprioten Yiannis. (Adam Bousdoukos, l.) ist in den türkischen Teil Zyperns ausbebüxt. 
„Smuggling Hendrix“: Was nun? Der Hund des griechischen Zyprioten Yiannis. (Adam Bousdoukos, l.) ist in den türkischen Teil Zyperns ausbebüxt.  FOTO: Pallisfilm