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Skulpturen von Sylvia Hagen in Cottbus

Cottbus.. Sylvia Hagen, die Frau des im Sommer verstorbenen Bildhauers Werner Stötzer, zeigt „Skulptur und Grafik“ in Cottbus. Ausstellungsmacher Hans-Georg Wagner freut sich über überraschend großes Interesse für eine vernachlässigte Kunstform. Von Felix Johannes Enzian

Die Bildhauerei hat es schwer. Sie ist zwar wie die Malerei eine Jahrtausende alte und unendlich vielseitige Ausdrucksform, erhält aber im Gegensatz zu ihrer populären Schwester zurzeit wenig Aufmerksamkeit. Woran das liegt, ist schwer zu sagen.

Ein Grund könnte sein, dass Skulpturen bis vor nicht langer Zeit besonders häufig für Propagandazwecke in den Dienst genommen wurden. Die Machthaber im Wilhelminismus, Nationalsozialismus und Sozialismus liebten es, die Öffentlichkeit mit plumpen martialischen Standbildern zu traktieren. Vielleicht hat das zu Überdruss und Desinteresse gegenüber der gesamten Gattung geführt.

Der Cottbuser Bildhauer Hans-Georg Wagner möchte diese Situation ändern. Er hat Sylvia Hagen gebeten, in seinem Atelier auszustellen. Die 63-Jährige ist die Witwe und eine frühere Schülerin von Werner Stötzer, einem der bedeutendsten Plastiker Nachkriegsdeutschlands. Die in Altlangsow im Oderbruch lebende Künstlerin zeigt “Skulptur und Grafik„. Ihre Ausstellung ist in das Programm des Cottbuser Filmfestivals eingegliedert - in der Hoffnung, dass sie vom Film etwas Aufmerksamkeit abzweigen kann.

Es handelt sich um eine intime, kleine Präsentation in einem schlichten Werkstattraum mit altem Kachelofen. Zu sehen gibt es neun kleine bis mittelgroße Skulpturen, neun Kohlezeichnungen sowie zehn Kaltnadelradierungen. Die Plastiken aus Bronze und Terrakotta sind durchweg Abstraktionen der menschlichen Gestalt mit mehr oder weniger vorhandenen beziehungsweise erkennbaren Gliedmaßen, Rümpfen und Köpfen. Sie tragen allerdings Titel wie “Kaskade„, “meerfach„, “landschaftlich„, “Sturm„ oder “Kleine Flusslandschaft„. Bröckelige Strukturen und verwitterte Oberflächen lassen an Urlandschaften denken. Es sind Zwitterwesen: halb Mensch, halb Erdkruste, teils in dynamischer Bewegung, teils schläfrig ruhend, immer mit Sympathie geformt. Sie strahlen Energie aus, wirken trotz roher Erscheinung eher sanft als grob. Die Grafik mit Aktdarstellungen und brandenburgischen Impressionen führt das Thema Mensch und Landschaft fort.

Hans-Georg Wagner zeigt sich erfreut über die Resonanz der bereits angelaufenen Ausstellung. “Schon in der ersten Woche kamen etwa 100 Besucher, darunter allein 30 Künstlerkollegen„, berichtet der 48-jährige Cottbuser. Bei früheren Präsentationen seien es nur um die 80 Interessierte während der gesamten Laufzeit gewesen.

Zum Thema:
Sylvia Hagen, “Skulptur und Grafik„, Galerie Wagner, Lieberoser Straße 20, 03046 Cottbus. Die Ausstellung läuft bis zum 21. November. Während des Filmfestivals (2. bis 7. November) ist sie täglich von 14 bis 18 Uhr geöffnet, ansonsten mittwochs von 14 bis 19 Uhr und jederzeit nach telefonischer Vereinbarung unter 0355/25276.