Ausgehend vom populären „Lied der Moorsoldaten“ haben Mitarbeiter des Dokumentations- und Informationszentrums Emslandlager (DIZ) im niedersächsischen Papenburg das Thema aufgearbeitet. Die Ergebnisse dieser mehr als zweijährigen Forschungsarbeit sind nun in einer CD-Box unter dem Titel „O bittre Zeit“ erschienen.
Die aus drei Tonträgern mit Originalaufnahmen und neuen Bearbeitungen sowie zwei Beiheften mit Texten und Erklärungen bestehende Edition dokumentiert, dass Verfolgte und Deportierte weit mehr als das „Lied der Moorsoldaten“ sangen. „Die Lagerlieder sind bis heute als Dokumente zu wenig anerkannt, oft wird das Foto eines SS-Mannes höher bewertet“ , so DIZ-Mitarbeiter Fietje Ausländer, einer der Initiatoren des Projekts. Laut Ausländer waren Lieder und Gesänge verschiedener Herkunft von 1933 bis 1945 ein fester Bestandteil des Gefangenenalltags. Für viele Häftlinge und Deportierte seien sie zu einer mentalen Überlebenshilfe geworden.
"Hunderte sind bekannt, tatsächlich waren es aber wohl sehr viel mehr", sagt Ausländer. Die CD-Box mit 81 Aufnahmen von 64 Liedern und einer Gesamtspielzeit von 225 Minuten könne deshalb nicht mehr als eine Hinführung zum Thema sein. Die meisten in den Konzentrations-, Strafgefangenen- und Vernichtungslagern wie auch in Gefängnissen und Ghettos entstandenen Lieder seien mit dem Tod ihrer Textautoren und Komponisten unwiederbringlich verloren gegangen. Auf CD sind sie in deutscher, jiddischer, polnischer, tschechischer, russischer und niederländischer Sprache zu hören.