Doch der Festtag wird überschattet vom Tod seiner Frau Liselotte Anfang Februar - 57 Jahre waren beide verheiratet.
Zwei Tage nach dem wohl traurigsten Geburtstag des Autors laden am Sonntag in Hamburg der NDR (11 Uhr) und Lenz' langjähriger Hausverlag Hoffmann und Campe zu einer feierlichen Matinee mit Politikern und Autoren, darunter Günter Grass, Daniel Kehlmann und Marcel Reich- Ranicki.
Die Freunde wollen ihren "Siggi" ehren und feiern. Sie schätzen seine Liebenswürdigkeit, seine moralische Integrität und natürlich sein literarisches Schaffen. "Siegfried Lenz - er begann früher zu schreiben als ich - ist ein wunderbarer Weggenosse seit meinen literarischen Anfängen bis in unsere alten Tage hinein", sagt Grass (78).
Die literarische Qualität des Werks haben Kritiker aber unterschiedlich bewertet. Einige Romane wurden vom Stil her als veraltet oder die Figuren als blutleer beschrieben. Hoch gelobt dagegen sind neben den internationalen Erfolgen "Deutschstunde" und "Heimatmuseum" die ebenfalls verfilmte Erzählung "Ein Kriegsende" über einen Befehlsnotstand auf einem Minensucher und die zahlreichen, auch sehr humorvollen Erzählbände, von denen "So zärtlich war Suleyken" (1955) der bekannteste sein dürfte.
Um das Werk zu verstehen, ist bei Lenz ein Blick auf die Biografie noch wichtiger als bei anderen Autoren. "Traumatisches Erinnerungsgepäck" begleitet ihn aus Kindheit und Kriegsjugend. Am 17. März 1926 wird Lenz in der ostpreußischen Kleinstadt Lyck, der "Perle Masurens", als Sohn eines Zollbeamten geboren. Die Ehe der Eltern scheitert, der Junge wächst bei der Großmutter auf. Als Junge bricht Lenz im Eis ein und ertrinkt fast im Lycker See. Der "Pimpf" Siegfried ist glühend bei der Sache, steht Spalier, wenn es NS-Größen nach Lyck verschlägt. Doch die Verführungen des NS-Regimes werden mit dem Kriegseinsatz seit 1944 auf dem Panzerkreuzer "Admiral Scheer" durch die grausame Wirklichkeit entlarvt. In den letzten Kriegsmonaten wird Lenz nach Dänemark versetzt. Wenige Tage vor Kriegsende desertiert Lenz, nachdem jemand liquidiert w orden war: "Sie brauchten einen Toten, um uns an ihre Macht zu erinnern." Kriegsgefangenschaft, ein Lehrerstudium und Journalismus folgten, ehe Lenz nach seinem erfolgreichen Debütroman "Es waren Habichte in der Luft" (1951) sein Brot als freier Schriftsteller verdiente.