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| 09:47 Uhr

Köln
Shakira kämpft sich zurück

Köln. In der Lanxess-Arena gibt die 41-Jährige das junge, ungestüme Mädchen. Max Florian Kühlem

Das Schöne an der Glitzerwelt der Popmusik ist, dass man sich auf gewisse Dinge einfach verlassen kann: Shakira wird wahrscheinlich immer das junge, ungestüme Mädchen mit der wilden, blonden Lockenmähne und dem tollen Hüftschwung bleiben. Sie ist jetzt 41 Jahre alt, aber wirbelt wie eine Anfang-Zwanzigjährige über die Bühne der Kölner Lanxess-Arena. Barfuß oder in Plateau-Schuhen, im zerfledderten Rocker-Outfit oder im goldenen Abendkleid - egal, welches ihrer sieben Bühnenkostüme sie gerade trägt, ihr Ausdruck sagt immer: Yeah! Wie schön, hier zu sein!

Über ein halbes Jahr mussten ihre Fans bangen, ob Shakira zu alter Form finden würde. Eine Stimmbandblutung zwang sie zur Pause, eigentlich sollte ihre Deutschland-Tour schon im November stattfinden. Ob sie ihre Stimme voll und ganz wieder gefunden hat, ist in Köln allerdings manchmal schwer zu beurteilen. Bei der Zugabe "Hips don't Lie" klingt sie merkwürdig kraftlos, verschwindet im Mix. Bei "She Wolf" hat man den Eindruck, hier würden starke Effekte oder vielleicht sogar ein Halb-Playback helfen.

Balladen wie das orchestrale "Tù" gelingen jedoch aufs Beste. Da klingt sie hell und klar, die charakteristischen Glissandi und Triller, Biegungen und Brechungen gehen geschmeidig von der Zunge. Genauso bei "Nada", das sie nach einer emotionalen Ansprache beginnt: "Ich hatte Zweifel, ob ich je wieder für euch singen kann", gesteht sie den 13.800 Fans, "aber eure Gedanken und Gebete haben mir geholfen. Jetzt weiß ich, dass ihr zu mir steht in guten und in schlechten Zeiten."

Im Moment hat Shakira offenbar eine richtig gute Zeit. Als "She Wolf" befreit sie sich im zweiten Stück von überdimensionalen Fesseln, beim hymnischen "Whenever, Whereever" hüpft sie dann schon weltvergessen barfuß durch goldenen Konfettiregen über den Steg ins Publikum, beeindruckt mit perfekten Bauchtanzeinlagen.

Die Kolumbianerin ist allerdings immer dann am besten, wenn sie nicht perfekt ist oder sein will - und damit sticht sie aus der Masse der globalen Popstars hervor. Sie braucht keine Armada an Tänzern, Fluggeräte oder Mega-Kulissen auf der Bühne, sondern ist sich mit ihrer gut aufgelegten Band um Gitarrist Tim Mitchell meist selbst genug. Deren Sound hat meistens wenig zu tun mit den Produktions-Exzessen des aktuellen Chart-Pop mit R'n'B- und Hip-Hop-Elementen. Die überwiegend spanischen Nummern ihres neuen Albums "El Dorado" klingen oft sogar ziemlich aus der Zeit gefallen, nach dem 1990er-Radio-Rock einer Gianna Nannini zum Beispiel. Aber irgendwo fließt immer lateinamerikanische Rhythmik ein, weshalb das Publikum praktisch nicht zum Sitzen kommt. Erst kurz vor dem Finale mit "Waka Waka", als Shakira selbst sitzt - draußen auf dem Steg inmitten ihrer Band, die akustische Instrumente spielt. Sie lächelt glücklich: "Ich habe das hier so vermisst." Man glaubt es ihr sofort.