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| 17:40 Uhr

Cottbus
Serge Mund verschiebt die Rente fürs Staatstheater

Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch: Serge Munds Zusage „gibt uns den Spielraum, in Ruhe weitersuchen zu können“.
Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch: Serge Munds Zusage „gibt uns den Spielraum, in Ruhe weitersuchen zu können“. FOTO: dpa / Wolfgang Kumm
Cottbus. Schon in der kommenden Woche verhandelt Ministerin Martina Münch – gleich über zwei Jobs auf Zeit. Christian Taubert

Eigentlich wollte der in Cottbuser Theaterkreisen bestens bekannte René Serge Mund seinen Ruhestand genießen. Nun aber kommt wohl alles ganz anders. In Paris hat er in der zurückliegenden Woche seinen Geburtstag nachgefeiert. Ganz ruhig. Der Stress liegt seit Ende 2017 hinter ihm. Damals beendete er seinen Job als kaufmännischer Geschäftsführer der Musikkultur Rheinsberg gGmbH. Dort hatte er zuletzt die Fusion der Kammeroper mit der Musikakademie begleitet.

Nun aber dürfte Rheinsberg nicht die letzte Station im so vielseitigen Arbeitsleben (Volkswirt, Devisenhändler, Theaterwissenschaftler) des Serge Mund gewesen sein. Denn als er jüngst einen Anruf aus Potsdam erhielt, gab es für ihn keinen Zweifel, am Staatstheater Cottbus einzuspringen. Das bestätigte Brandenburgs Kulturministerin Martina Münch (SPD) am Freitag vor dem Haupteingang des Theaters. Drinnen hatte sie als Vorsitzende des Stiftungsrates der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) die Belegschaft über die Entscheidungen des Gremiums vom  Vortag informiert. Dazu gehört, dass der bisherige Cottbuser Verwaltungschef und Vorstandsvorsitzende der Stiftung Martin Roeder aufgrund eines „zerrütteten Vertrauensverhältnisses“ fristlos gekündigt wurde.

Diese Nachricht vom Vortag war eher nicht dazu angetan, das seit Wochen kriselnde Staatstheater aus den Schlagzeilen zu bringen: Erst das Zerwürfnis zwischen Musikern und Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ, was zu dessen Beurlaubung führte. Dann übernimmt  Intendant und Operndirektor Martin Schüler die Verantwortung für die seit Jahren aufgetretenen Probleme mit Christ und stellt seine Ämter zur Verfügung. Und nun Martin Roeder – Theater ohne Führungstrio.

Und dennoch hat die Ministerin Zuversicht aufkeimen sehen, als sie verkündete, dass sie schon Anfang der nächsten Woche mit Serge Mund zusammentreffen werde. Für die angedachte Interimslösung habe es sogar zarten Beifall gegeben. Zwischen 1992 und 1996 sowie von 2005 bis 2012 war Mund bereits Geschäftsführender Direktor des Staatstheaters und hatte sich Achtung und Rückhalt in der Belegschaft erworben. „Er hat den Kontakt nie abreißen lassen“, bestätigt Volker Schenck, der Vorsitzende des Künstlerischen Personalrats. Und er fügt gegenüber der RUNDSCHAU hinzu, dass er für diese Zwischenlösung Akzeptanz in der Belegschaft wahrgenommen habe.

Wie sehr das künstlerische Herz des René Serge Mund am Cottbuser Staatstheater hängt, das habe die Ministerin bereits im ersten Telefonat gespürt. Offenbar ist dabei neben der kommissarischen Übernahme der Funktion des Verwaltungsdirektors in Cottbus und der Kulturstiftung auch darüber gesprochen worden, dass in zwei Monaten ein Nachfolger für Intendant Martin Schüler gefunden sein müsste. Dass es ein Signal von Mund gegeben hat, die Intendanz auf Zeit zu übernehmen, „gibt uns Spielraum, in Ruhe weitersuchen zu können“, räumt Martina Münch ein. Der laufende Spielplan werde durch die Krise nicht beeinträchtigt, versichert die Ministerin. „Es findet ein ganz normaler Theaterbetrieb in der gewohnten Qualität statt.“

Neben der Personalie Mund hatte die Stiftungsratsvorsitzende noch über ein Signal an die Belegschaft zu informieren. Nachdem es als „Geburtsfehler“ in der Konstruktion des Stiftungsrates kritisiert wurde, dass kein Vertreter der Belegschaft des Staatstheaters im Stiftungsrat sitzt, hat das Gremium jetzt regiert: Es wird künftig einen Gaststatus für einen Vertreter geben. Vor dem Hintergrund der Kritik am Umgang des Generalmusikdirektors mit Künstlern kommt das zu spät – aber es ist ein Zeichen, dass die Belegschaft ernst genommen werde.