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Senftenberg sucht den Urknall Europas

An der Neuen Bühne wird der neue Spielplan präsentiert.
An der Neuen Bühne wird der neue Spielplan präsentiert. FOTO: Mirko Sattler/sam1
Senftenberg. Mit "Blutmordrache" steigt die Neue Bühne in die neue Spielzeit 2016/17 ein. Was sonst noch zu erwarten ist, wurde gestern in Senftenberg bekannt gegeben. Ida Kretzschmar

Das Theater wird zum Nibelungenhort, kündigt Intendant Manuel Soubeyrand an. Ab 23. September spektakelt es wieder an der Neuen Bühne. "In dieser Theaternacht der Nibelungen wandeln wir auf den Spuren des Urknalls von Europa", weckt er Neugier. Drei Premieren und ein Gelage von epischen Ausmaßen sind während des Spektakels zum Spielzeitauftakt zu erwarten. Eine Fassung, zwei Ausstatter, drei unterschiedliche Regisseure und damit drei unterschiedliche Sichten auf das bekannte europäische Heldenepos sorgen für Spannung. Gemeinsam werden sie den satten theatralischen Stoff um Blut, Mord, Rache, Liebe, verkorkste Könige, Feigheit und Verrat in Szene setzen.

"Sehnsucht Europa" heißt das Motto der diesjährigen Spielzeit, das mit elf Premieren den Blick weiten soll über Deutschland und die Region hinaus. Gefragt wird: Was bedeutet Europa? Ist es ein geografisches Gebilde, ein kultureller Raum, eine politische Gemeinschaft, eine Utopie, ein Auslaufmodell? "Für mich ist Europa seit jeher ein Sehnsuchtsort", so Manuel Soubeyrand, Sohn eines Franzosen und einer Rheinländerin, aufgewachsen in der DDR-Hauptstadt an der Seite eines deutschen Kommunisten, verheiratet mit einer Schweizerin . . . Und er wandelt auf Winston Churchills Spuren, wenn er sagt, dass eine schlechte Demokratie immer noch besser sei als die beste Diktatur.

"So ist nicht nur die Sehnsucht, auch der Wille groß, die demokratischen Werte Europas zu verteidigen - mit den Waffen der Kunst, die auch alles Lebenswerte in sich haben", erklärt der Intendant.

"Unterhaltsames, Vergnügen am Denken inklusive, bieten auch die weiteren Premieren der nächsten Spielzeit", so Chefdramaturgin Katja Stoppa. In "Das Abschiedsdinner" in der Regie von Manuel Soubeyrand gehe es um die Optimierung von Freundschaften. Auch mit "Hase Hase" in der Regie von Brecht-Enkelin Johanna Schall setze die Neue Bühne auf den Esprit französischer Komödien.

"Europa verteidigen" von Konstantin Küspert frage: "Ist Europa eine Trutzburg gegen Fremde? Das "Mädchen von weither" erzähle hingegen sehr berührend von einer besonderen Annäherung und der Kraft der Mitmenschlichkeit. Aber auch "Aladin und die Wunderlampe" habe sehr wohl mit Europa zu tun, bemerkt die Dramaturgin. Die Märchen aus 1001 Nacht gehören zum reichen Schatz an der Wiege europäischer Kultur.

Gegen Dressur und bürgerliche Scheinheiligkeit wendet sich "Frühlingserwachen", eine Kindertragödie von Frank Wedekind. "Auch ein Europäer durch und durch", so Stoppa.

Im Amphitheater aber sticht endlich "Madagaskar II in See. "Es wird gesungen, getanzt, geflunkert, geliebt, gestritten und versöhnt", macht die Chefdramaturgin Lust auf den Schlagerdampfer.

Verwaltungsdirektorin Christa Mahl verweist auf eine neue Konzertreihe "Variationen", die durch den Theater- und Konzertverbund möglich wird, zu dem die Neue Bühne seit Anfang des Jahres gehört. Viele andere Reihen wie der beliebte "Dämmerschoppen" werden weitergeführt. Und wer eine Amphi-Card erwerbe, könne auch beim "Spektakel" tüchtig sparen.

Stand dabei zum "70." das Senftenberger Revier im Mittelpunkt, ist es nun Europa. "Danach kann nur noch die Welt kommen", lacht der Intendant. Immerhin scheint Senftenberg dafür schon eine Art Drehkreuz zu sein. Vier Schauspieler treibt die Sehnsucht hinaus, für vier andere wird nun Senftenberg zum Sehnsuchtsort.

Zum Thema:
23. September: Blutmordrache. Im Europa der Nibelungen, Teil: Blut von Jan Mixsa, Teil: Mord nach Friedrich Hebbel, Regie: Sandrine Hutinet, Teil: Rache nach Friedrich Hebbel, Regie: Tilo Esche10./11. November: Das Abschiedsdinner von Matthieu Delaporte/Alexandre de la Patelliére, Regie: Manuel Soubeyrand17. November: Aladin und die Wunderlampe, Regie: Edith Erhardt2./3. Dezember: Frühlingserwachen, Regie: Samia Chancrin19. Januar: Das Mädchen von weither (Deutschsprachige Erstaufführung), Regie: Alexander Flache2./3.März: Europa verteidigen, (unterwegs), Regie: Ulrike Müller 17. März: Hase Hase, Regie: Johanna Schall 3. Mai: Dreck (Klassenzimmerstück), Regie: Katja Stoppa 26. Mai: MS Madagaskar II (Uraufführung) Schlagerette von Susanne Ockert, Regie: Winfried Schneider