Dem Erzähler mit spanischen Wurzeln, der heute 70 Jahre wird, wurden im Osten früh die Flügel gestutzt, einschüchtern ließ er sich deshalb nicht. Weil in seinem Schelmenbuch "Der Weg nach Oobliadooh" ein Leipziger Hallodri und Bohemien als Harlekin und Anarchist durch die Seiten turnt, befanden die Ideologiewächter: So ist die DDR-Jugend nicht. Der Roman war im Osten chancenlos. Im Westen schwärmte man dagegen nach seinem Erscheinen von einem der Hauptwerke "messerscharf kritischer DDR-Literatur".
Durch Vermittlung von Uwe Johnson debütierte Fries als Autor damit 1966 bei Suhrkamp. Zu Hause wurde er dafür mit dem Verlust seiner Anstellung als Hispanist an der Akademie der Wissenschaften abgestraft. Als sein Erstling mit 23-jähriger Verspätung endlich in die DDR-Buchläden gelangte, lag das Land schon in der Agonie. Was Fries als "freier", stets mit Argwohn beobachteter Autor, zwischenzeitlich auch veröffentlichte, es war nicht weniger eigenwillig. "Ungewöhnlicher, artistischer, exotischer" als das meiste, was im Osten zu haben war, nannte ein ostdeutscher Kritiker nach der Wiedervereinigung dessen Bücher.
"Das Luft-Schiff" (1974), "Alexanders neue Welten" (1983) oder "Verlegung eines mittleren Reiches" (1984) festigten seinen Ruf als "Meister einer hochartifiziellen, stilistisch ausgefeilten Prosa". Ostdeutsche lasen bei Fries sozusagen zwischen den Zeilen, um die Seitenhiebe zwischen Mythologie und Historie, Vision und plattem Alltag zu entdecken. Als er 1991 den Bremer Literaturpreis erhielt, sahen Kenner in ihm bereits einen der künftigen Büchner-Preisträger.
Es kam anders. Mit seinem erst spät erfolgten Eingeständnis als Stasi-IM gearbeitet zu haben, katapultierte sich Fries ins Abseits. Er verlor die Mitgliedschaft in der Berliner Akademie der Künste und im PEN-Club. Für Neuveröffentlichungen fanden sich bestenfalls kleinere Verlage. Er erlebe seine Situation als "großen Bruch", sagte Fries jetzt. Seine Krankheit zwingt ihn zudem seit zwei Jahren in den Rollstuhl, so dass sich auch Lesereisen ausschließen.
Zehn Jahre habe die Stasi ihn "bearbeitet", ehe er den "Pakt mit dem Teufel" einging, erzählt Fries in seinen Erinnerungen "Diogenes auf der Parkbank" (2002). Nach "Hesekiels Maschine" (Das Neue Berlin) im vergangenen Jahr ist für diesen Herbst "Blaubarts Besitz" bei Faber&Faber geplant. Die Handlung führt nach Sachsen in der Nachwendezeit. Blaubart taucht gleich in drei Gestalten auf: der Alte im 19. Jahrhundert, sein Sohn im Dritten Reich und als Erzähler. "Da ist er so alt wie ich", verrät Fries.
Fries, der in Petershagen bei Berlin wohnt, ist als Sohn eines deutschen Kaufmanns und einer Spanierin im spanischen Bilbao geboren. 1942 gelangte die Familie nach Deutschland. Während seines Studiums im Leipzig der 50er Jahre hörte er Vorlesungen bei Ernst Bloch, Hans Mayer und Werner Krauss.