,,Glückliche Begegnung" nannte Bertolt Brecht eines seiner Gedichte. Das vom Publikum am Sonnabend umjubelte Ergebnis des Projektes auf der Bühne bewies: die Begegnung zwischen den polnischen und deutschen Jugendlichen ist eine sehr glückliche. Achtzehn theater- und musikbegeisterte junge Leute erzählen in Liedern polnischer Autoren wie Milosz, Herbert und Szymborska und mit Brecht-Songs von ihren Träumen, Wünschen, Sehnsüchten und Ängsten.

Nur zwei Wochen gemeinsame Vorbereitung gab es, eine in Bielsko-Biala und eine vor der Aufführung an der Neuen Bühne. Dafür waren Bühnenshow, Choreografie und Qualität der dargebotenen Songs einfach großartig, wie auch Reiner Rademann als Vorsitzender des Fördervereins der Neuen Bühne findet. ,,Wir sind stolz, solch ein großartiges Projekt mit gefördert zu haben", freute sich Isabella Stapf vom Deutsch-Polnischen Jugendwerk ebenso gemeinsam mit den Akteuren.

Die Bühne als Autobahnraststätte. Jugendliche treffen sich nachts, um Abenteuer zu erleben, weg von zu Hause zu kommen oder nach Schweden aufzubrechen. Romantische Liebe in der Mitsommernacht lockt. Das schüchterne Mädchen auf der Suche nach ersten Abenteuern trifft auf sich versnobt gebende Girls und auf laute Bürgerschreck-Jugendliche mit weichem Kern. Sie singen und erzählen von ihren Wünschen und Träumen und treffen sich im Anderssein-Wollen vor allem in den Brecht-Songs.

,,Seine Lieder sind die Klammer für unsere von Beginn an tolle Zusammenarbeit", erzählt Gesangslehrerin und Stimmtrainerin Ludmila Malecka aus Bielsko-Biala, die von den tollen Probebedingungen an der Neuen Bühne schwärmt. Die Brecht-Lieder wirken in ihrer Andersartigkeit durch die jungen Darsteller und Sänger, egal ob auf Polnisch oder Deutsch, auch auf das Publikum besonders reizvoll. ,,Für dieses Leben ist der Mensch nicht gut genug", begehren sie auf, um dann dem Surabaya Johnny eine Jenny an die Seite zu geben und den Mackie Messer Song als getanzte erotische Versuchung auf die Bühne zu bringen.

Die Regie verbindet harte Rockmusik und zarten Violoncelloklang, beides live gespielt, mit Cheerleader-Einlagen, Chorsätzen und gesprochenen Erinnerungen an nationalsozialistische Vergangenheit zu einem stimmigen Gesamtergebnis. Jugend pur auf der Bühne, mit Engagement, Frische und Können begeistert das zu großen Teilen ebenfalls jugendliche Publikum im fast ausverkauften Haus.

Anna Thieme und ihre Freundinnen aus Finsterwalde sind vor allem wegen ihrer Schulfreundin Marie Zillmann aus Wormlage gekommen, die auf der Bühne mit Solis glänzt, wie auch Katarzyna Damek aus Bielsko-Biala.

,,Es ist super gelaufen", finden beide nach der Vorstellung. Spaß gemacht hat die Arbeit allen Beteiligten, bestätigt Theaterpädagogin Mai-An Nguyen. Schade, dass die gemeinsame Arbeit schon vorbei ist", bedauert Inspizientin Heidrun Gork. Schade ist vor allem, dass es nach der Premiere dieser Uraufführung keine weitere Vorstellung geben wird.