Das viele Gold des betrügerischen Königs verteilten Jäger, Starker, Frost, Bläser, Läufer und Soldat an die armen Leute. Auf die zickige Prinzessin verzichteten sie aber lieber, obwohl sie eigentlich den Soldaten hätte heiraten müssen. Hatte er doch mithilfe seiner äußerst unterschiedlich talentierten Freunde alle Aufgaben erfüllt, die die Bedingung für die Hochzeit waren. Wieso und wie soll hier nicht verraten werden, dafür aber wo: im Staatstheater Cottbus.

Zur Premiere wimmelte es von Kindern - und die hatten einiges zu tun. Im ersten Akt mussten sie ein mehrstrophiges Lied lernen, im zweiten diverse Rätsel raten. Letzteres zumindest war kein Problem, wie man an der ohrenbetäubenden Lautstärke feststellen konnte, mit der die Lösungen auf die Bühne gerufen wurden. Ein echtes Vergnügen für die Kleinen, total peinlich womöglich, wenn man auf die Zwölf oder Dreizehn zugeht.

Für diese und noch ältere Zuschauer hält das Stück ein paar andere Vergnügungen bereit. Zuerst die Freude daran, wie leichtfüßig und unaufwendig ein Theatervergnügen herstellbar ist - wenn man einen Regisseur wie Hauke Tesch hat. Er bewies die unschätzbare Fähigkeit, diese Sechser-Abenteuer-Weltfahrt auf der Suche nach Gerechtigkeit auf eine unbeschwerte Weise ernst zu nehmen.

Selbst das drastische und durchaus übertriebene Spiel von sehr typisierten Märchenfiguren ließ er nicht zum platten Klamauk ausarten. Noch der zwanzigste Kreischer der Prinzessin ist durch winzige Variationen amüsant, und dem Dieb auf dem Markt wünscht man heimlich Glück für seinen nächsten Coup. Dieser Gauner, dann der Pfaffe, der sich noch weniger anstrengen muss als der Dieb, um die Leute zu bestehlen, die zum Volk überlaufenden Soldaten, die Gauklertruppe, ein verbogenes Gewehr - solche Details sind es, die das Spiel auch für Erwachsene unterhaltsam machen.

Marsch mit Stolperschritt

Märchenspiel hin, Kreischer her - zur Oper gehört natürlich an erster Stelle die Musik. Wolfgang Hocke, der Komponist der skurrilen Sechserbande, war lang gedienter Kapellmeister in Meiningen.

Man merkt die Erfahrung mit Musik aller Stilarten an und vor allem die Kenntnis dessen, was sicher wirkt. Kriegerische Fanfaren zum Beispiel ließen die Knaben in ihren Sesseln hüpfen, obwohl doch der böse König mobilmachte. Hocke bot den Kindern jedoch auch schwierigere, opernhafte Elemente; kleine Arien, Duette, Ensembles. Dazwischen immer wieder einmal einprägsame Marschmusik mit geschickt eingebautem Stolperschritt: das Wanderlied für die sechs Weltreisenden.

Christian Möbius hatte die schwierige Aufgabe, mitten im freudigen Getöse der Kinder im Saal und der turbulenten Aktionen auf der Bühne den Überblick zu bewahren und den Takt zu halten. Er dirigierte präzise klangbewusst und fand sympathisch muntere Tempi.

Besonders komisch gelangen die unterschiedlichen Geschwindigkeiten bei der Anfeuerung der Wettläufer. Man sollte an dieser Stelle die Ohren spitzen.

Die Welt, durch die die Sechse kommen, hat Hans-Holger Schmidt ganz wunderlieblich aufgemalt - vielleicht als Gruß an den Komponisten in der Tradition der berühmten historischen Meininger Bühnenbilder.

Die sechs Freunde sehen natürlich nicht nur extrem unterschiedlich aus, sondern sind vor allem durch ihre unterschiedlichen Stimmen charakterisiert. Ingo Witzke gab den "Starken" und betonte selbst immer wieder sehr zutreffend, beim Gesang der Bass zu sein. Partie und Rolle standen ihm vorzüglich. Jäger und Läufer äußerten sich tenoral, Frost und Bläser mischten eine hohe und eine mittlere Frauenstimme in das Sextett.

Von den Kindern bejubelt

In der Hauptrolle des Soldaten stand der junge Christoph Bier als Neuer im Cottbuser Ensemble zum ersten Mal auf der Bühne. Ein spieltalentierter beweglicher Sänger mit geschmeidig ausgeglichener Stimme. Man darf auf ihn gespannt sein. Alle Sechs samt der guten Fee wurden von den Kindern bejubelt. Der König, die Prinzessin und der Ausrufer, die - ganz märchenmäßig - nicht einmal vor Schlaftrunk und Feuer als Mittel für Betrug und Mord zurückschreckten, bekamen indes heftige Buhs. Hiermit sei versichert, dies kann nicht dem Gesang von Heiko Walter, der liebreizenden Katerina Fridland und Ingolf Czerny gegolten haben.

Wie gut, dass die kindlichen Premierenbesucher den Ruf "da capo" nicht kannten; ihrer Forderung nach "Zugabe! Zugabe!" musste jedoch entsprochen werden.

Familienvorstellung am morgigen Sonntag, 16 Uhr, (Karten an der Kasse im Großen Haus, im Anschluss Signierstunde). Weitere Vorstellungen am 14. Dezember, 11 Uhr, 22. Dezember, 18 Uhr; 25. Dezember, 11 Uhr. Ticket-Tel.: 0355/78242424

Anm. d. Red.: In einer früheren Version dieses Artikels waren versehentlich die Namen zweier Künstler falsch geschrieben. Wir bitten diesen Fehler zu entschuldigen.