Der gestern im südpolnischen Krakau im Alter von 84 Jahren nach längerer Krankheit gestorbene Schriftsteller galt als Vordenker technischer Entwicklungen, die in seinen Romanen noch Zukunftsvision waren, inzwischen aber Wirklichkeit sind - vom Internet über die Genforschung bis hin zur "künstlichen Intelligenz". Wie bei Jules Vernes, dessen Bücher er als Junge liebte, waren Lems Werke stets auch eine Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Grenzen der Technik und ihres Einflusses auf den Menschen.
Zu Weltruhm gelangte er als Meister der Science-fiction-Literatur. Seine Romane wie "Solaris", "Eden" oder "Der Unbesiegbare" wurden in 41 Sprachen übersetzt und erschienen in eine Auflage von insgesamt 27 Millionen Exem plaren.
In Deutschland, wo der Autor außerhalb Polens seine meisten Leser hatte, galt er auch als Philosoph und Zukunftsvisionär. In seiner Heimat schätzten die Leser besonders den zuweilen grotesken Humor. In frühen ersten Werken habe der optimistische Glaube an die Fähigkeiten des Menschen dominiert. Später trat an die Stelle des einstigen Fortschrittglaubens Skepsis des Autors. "Ich habe nicht vorhergesehen, dass die Wissenschaft fast vollständig dem Kommerz untergeordnet wird", räumte Lem einmal ein. "Menschen sind schrecklich und die Zukunft düster", sagte Lem bereits vor fast zehn Jahren über das Leitmotiv seines literarischen Werkes. An eine andere Menschheit, früher sein größter Traum, glaube er nicht mehr. (dpa/lh)