Zu all dem gesellt sich eine kleine Blechspielzeugschau, deren Sammlungsstücke von der Puppenküche (um 1810) bis zum Hubschrauber und Panzer aus dem 20. Jahrhundert Aufschluss geben über die Rollenzuteilungen für Mädchen und Jungen. Zustandegekommen ist die Präsentation des Stadtmuseums Berlin in enger Kooperation mit dem Rheinischen Eisenkunstguss-Museum in Bendorf-Sayn in Rheinland-Pfalz und dem Städtischen Museum Gleiwitz (Gliwice) in Polen. Das leichteste Exponat wiegt weniger als ein Gramm, das schwerste mit einer Tonne ist das Schwungrad einer Dampfmaschine. So Gewichtiges hatte der fast 250jährige Barockbau in Berlins historischer Mitte wohl noch nie zu tragen. Er tut es mit gelassener Würde. Dafür haben die Berliner Ausstellungsmacher um Elisabeth Bartel gesorgt, die mit den Anfängen der Eisenindustrie in der Spreemetropole zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein wichtiges Kapitel Berliner Stadtgeschichte hinzugefügt haben.
Blickfang ist in einer Vitrine die Nachbildung der 24. Lokomotive aus Johann Friedrich August Borsigs (1804-1854) Eisengießerei und Maschinenbauanstalt am Oranienburger Tor, mit deren Original der gelernte Zimmermann aus Breslau auf der ersten Berliner Gewerbeausstellung im Zeughaus 1844 die "Goldene Preismedaille" errang und die englische Konkurrenz aufhorchen ließ. Er taufte sie auf den Namen seines Lehrers "Beuth", der großen Anteil an der Ausbildung hochqualifizierter Maschinenbau-Ingenieure hatte. Sein bis nach Oberschlesien expandierendes Maschinenbau-Imperium, das maßgeblich am Bau der Berlin-Potsdamer Eisenbahn beteiligt war, mauserte sich bald zur größten Lokomotivfabrik des Kontinents.
Zeitgenössische Holzstiche, Gemälde und Zeichnungen veranschaulichen jene Pionierjahre auf dem Fabrikgelände am Oranienburger Tor, von dessen Arial "dröhnendes Gestampfe" die Ohren strapazierte und "weißglühende Eisenmasse" den Norden Berlins in ein "Feuerland" verwandelte. Zeitgenosse Christian Daniel Rauch hat August Borsig als Bronzeguss verewigt.
Lauthals begannen damals an der Spree vaterländisch geprägte "Eiserne Zeiten", die wichtige Impulse für die industrielle Entwicklung und das kriegerische Potenzial geben sollten. Gusseisen eroberte den Alltag. Beeindruckend ist die Verbindung von künstlerischer Gestaltung und Funktionalität. Ausgestellt sind Öfen und Kamine, Möbel und Statuetten, Küchengeräte und andere praktische Gegenstände.
Ohne Gusseisen wäre im 19. Jahrhundert der Ausbau des Transportwesens, der Gas- und Wasserversorgung oder die Einrichtung von Bahnhöfen, Fabrikgebäuden und Markthallen kaum möglich gewesen. Eine Augenweide sind acht kunstvolle preußische Warwick-Vasen, benannt nach dem englischen Grafen, der im 18. Jahrhundert mit einem solchen antiken Originalexemplar in Warwick-Castl zu Popularität gelangte und unzählige Nachahmer seines römischen Prachtstückes fand. Eine Hommage an das fast vergessene, eine zeitlang sehr gefragte "Fer de Berlin" (Berliner Eisenschmuck) aus den preußischen Eisengießereien Gleiwitz und Berlin stellen die filigranen Güsse aus der Kunstgießerei Lauchhammer dar. Sie tragen die Handschriften von vier Künstlerinnen, deren hochfeine Schmuckkreationen den faszinierenden Originalen gegenübergestellt sind.
Ephraim-Palais Berlin-Mitte, Poststrasse 16, "Eiserne Zeiten" geöffnet bis 2. März Di, Do-So 10-18 Uhr, Mi 12-20 Uhr,
Telefon: 030/24 00 21 21