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| 02:42 Uhr

Schnoddrig und poetisch

Aus dem Nachlass der 2013 gestorbenen Lyrikerin Sarah Kirsch sind jetzt ihre Tagebuchnotizen aus den Jahren 2002 und 2003 veröffentlicht worden – wirklich mehr Notizen als Aufzeichnungen. Es sind teils schnoddrige, im Berliner Tonfall mit irrwitziger (aber auch aufgesetzt wirkender) Orthografie niedergeschriebene Alltagsbeobachtungen und Erinnerungen und teils auch poetische Naturbetrachtungen im scheinbar ewigen Novembernebel und Schmuddelwetter rund um ihr Haus in Schleswig-Holstein. Wilfried Mommert

Es ist ein kleines Büchlein, streckenweise nett zu lesen, aber in vielen nüchternen Wiederholungen von Wetterberichten und anderen Tagesmeldungen ("Es regnet sehr bedächtig", "Ich warte auf die Krähen") auch oft ermüdend. Dann wieder in kurzen Streiflichtern über Schriftstellerkollegen und den Literaturbetrieb zupackend, angriffslustig und bissig, nicht zuletzt bei Rückgriffen auf ihre Zeit in der DDR, die sie mit ihrer Ausbürgerung 1977 verlassen hatte.

Sarah Kirsch: Juninovember, Deutsche Verlags-Anstalt DVA, München, 200 Seiten, 19,99 Euro.