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Schmachten mit Max Raabe

Max Raabe mit seinem Palast-Orchester in Riesa.
Max Raabe mit seinem Palast-Orchester in Riesa. FOTO: Frank Claus
Riesa. Er benötigt nur ein, zwei Titel und alle hängen an seinen Lippen. Wie er begrüßt, wie er spricht, die Worte wählt, verschmitzt lächelt und doch stets korrekt bleibt. Frank Claus

Ein Traummann für jede Schwiegermutter! Welche Frau möchte nicht auch einmal ein Kompliment wie "Seit ich Sie sehe, verblasst das Bild von Mona Lisa" hören? Oder wer träumt nicht davon, einmal so, wie er es besingt, "in der kleinen Konditorei" zu sitzen?

So vornehm, wie er auf der Bühne immer wieder in den nur für ihn bestimmten Lichtkegel tritt, so galant zieht er sich zurück in den Schatten des Flügels und überlässt mal den Solisten, mal dem gesamten Palast-Orchester das Rampenlicht. Es macht ihm Freude, die Namen der Herren - wer rollt schöner das "r"? - und vor allem den der Violinistin Cecilia Crisafulli - zum Glück ziert auch den Ihrigen ein "r" - aufzusagen.

Da sind das Temperament der "Schönen Isabella aus Kastilien", die wunderbaren Klänge der Posaunen bei "Bei mir bist Du scheen" und da ist die facettenreiche Stimme Max Raabes, wenn er spielerisch den Draufgänger bei Max Hansens Titel aus dem Jahr 1928 macht: "War'n Sie schon mal in mich verliebt, das ist das Schönste, was es gibt, haben Sie schon mal von mir geträumt, da haben Sie wirklich was versäumt."

Zwischendurch schmachtet die Violine, bekommen die Klarinetten ihren Auftritt, erklingt das Banjo und immer wieder bilden Posaunen, Trompeten und Saxofone einen wundervollen Klangteppich.

Die Musik der 20er- und 30er-Jahre verzaubert, berührt Gefühle und lässt so oft schmunzeln. Doch es sind auch die "neuen Stücke", die Max Raabe selbst geschrieben hat oder die in Zusammenarbeit mit Annette Humpe entstanden. "Kein Schwein ruft mich an" - wer kennt es nicht?

Der Abend in der mit 2000 Besuchern gefüllten Sachsenarena in Riesa ist ein Genuss, auch dank der hintersinnigen Überleitungen des Sängers. Gerade hat Max Raabe den Männern noch nahe gelegt: "Wenn eine Frau Dir etwas verspricht, glaube ihr nicht", um wenig später das wahre Leben zu entlarven: Werden nicht Frau und Mann oft genug getrennt: In Kaufhäusern, wo Schuhe und Bekleidung in unterschiedlichen Etagen angeboten werden, zum Beispiel? Aber: "Am Ende ist es wie bei der Mülltrennung: Wenn keiner guckt, landet alles auf einem Haufen."

Ein spanischer Paso doble wechselt mit dem französischen Chanson "La Mer" und dem deutschen "Wer hat Angst vorm bösen Wolf?" Sparsam werden filmische Schmankerl auf den Bühnenvorhang projiziert, bringen die unterschiedlich in Farbe getauchten Podeste der Musiker Ballhaus-Atmosphäre in die ansonsten kühl aus Stein und Stahl bestehende Sachsenarena.

Und wieder besticht Max Raabe mit hintersinniger Feinzüngigkeit, als er zum nächsten Liebeslied überleitet: "Schmetterlinge im Bauch, wer hat das bloß erfunden? Muss man vor jedem Rendezvous Raupen essen? Wer denkt sich das aus? Ein Vegetarier kanns nicht gewesen sein."

Klar: "Küssen kann man nicht alleine" gehört ebenso ins Programm wie am Ende der "kleine grüne Kaktus". Zwischendurch noch "Dort tanzt Lulu, haha, haha" mit dem wunderschön witzigen Geläut der Glöckchen durch die Musiker des Orchesters. Und wer könnte vor den Zugaben den Schluss schöner ansagen und das Seufzen des Publikums charmanter auffangen als Max Raabe mit charmanter Stimme: "Niemand bedauert das mehr als ich."