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| 18:51 Uhr

Buch der Woche
Die Einsamkeit der Schuld

Andrea Hilscher
Andrea Hilscher FOTO: Sebastian Schubert / LR
Die FAZ hat ihn nach allen Regeln der Kunst niedergemacht. Ferdinand von Schirach sei komisch, zumeist allerdings unfreiwillig. Sein neuer Band „Strafe“ böte nur „banale Sätze und Moral von der Stange“ und unwichtige Plattitüden. Von Andrea Hilscher

Liebe FAZ, ich gebe gerne zu: Wenn Plattitüden mir derart raffiniert und ergreifend dargeboten werden, dann immer her damit. Schirach, als Strafverteidiger selbst in aufsehenerregende Prozesse involviert, schreibt über das, was ihn zutiefst umtreibt. Fragen von Schuld und Reue, existenziellen Urteilen. Menschen, aus der Bahn geworfen durch einen Moment der Unachtsamkeit, einen Fehltritt, einem kafkaesken „Fehlläuten der Nachtglocke“. Einer ist da, hochbegabt und glücklich verheiratet, ein Leben auf der Sonnenseite. Dann aber gerät die Ehe ins Rutschen, der Mann will sich trennen, nach einer Aussprache sucht seine Frau Ablenkung im Park – und wird ermordet. Ihr Mann zerbricht. Einem guten Freund sagt er: „Vielleicht hast Du recht, und es gibt kein Verbrechen und keine Schuld. Aber es gibt eine Strafe.“ Fremdheit, Einsamkeit, das Leben als unlösbare Aufgabe, das sind Ferdinand von Schirachs Themen. Nüchtern und schnörkellos stellt er sie. Die Antworten bleibt er schuldig.

Ferdinand von Schirach: Strafe. Luchterhand-Verlag, 189 Seiten, 18 Euro.
Ferdinand von Schirach: Strafe. Luchterhand-Verlag, 189 Seiten, 18 Euro. FOTO: Verlag