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Schicht für Schicht in die Tiefe

Ina Bierstedt vor ihren Werken "The Same Song" (l., 2017) und "Popmeiler" (Pop Charcoal Pile, 2017).
Ina Bierstedt vor ihren Werken "The Same Song" (l., 2017) und "Popmeiler" (Pop Charcoal Pile, 2017). FOTO: Marlies Kross
Cottbus. Auf ungewöhnliche Weise lassen sich gegenwärtig im Cottbuser Kunstmuseum Dieselkraftwerk dkw. Landschaften entdecken. Ida Kretzschmar

Es sind "Entlegene Ecken", die in der Malerei von Ina Bierstedt sichtbar werden. Nicht das Figürliche wie in den Werken von Sabine Herrmann, die gleichzeitig derzeit ausgestellt sind, steht im Mittelpunkt der Betrachtung. Der Mensch ist abwesend, verschwindet in den übereinander geschichteten Grüntönen aus Landschaft und Natur. Und doch ist sein Einfluss spürbar. "Ina Bierstedt zeigt die Zivilisation und Moderne im Verhältnis zur Landschaft", sagt die Leiterin des Kunstmuseums Ulrike Kremeier.

Schon am Eingang zum Maschinenhausraum M 1 provoziert eine in Tarnmuster installierte Behausung die Besucher zum Stehenbleiben. Und auch drinnen fordern ihre bühnenartigen Landschaften die Auseinandersetzung des Betrachters, etwa wenn sie an Urlaubsbildern Anleihen nimmt, die an Man grovenwälder und Sümpfe Südostasiens erinnern. Magnetisch wirkt die mitunter mystisch aufgeladene Farbgebung.

Ina Bierstedt, 1965 in Salzwedel geboren, schloss ihr Studium 2001 an der Universität der Künste Berlin als Meisterschülerin von Katharina Sieverding ab.

Die Berliner Künstlerin gelangt zu ihren Bildfindungen durch ein schichtendes und collageartiges Verfahren. "Das produziert eine beeindruckende Bildtiefe", erläutert Ulrike Kremeier. So ist der "Felsen" aus dem Jahre 2009 aus Öl- und Acrylfarben geschichtet, die einander perlend abstoßen. Eine Mischtechnik der besonderen Art hat die Malerin mit den Jahren für sich entwickelt, in der fette gegen magere Partien stehen, die die Leinwand gelegentlich auch wieder durchschimmern lassen. Farbschichten stoßen einander ab oder scheinen regelrecht auszubluten.

Landschaften, die wie mit einem barocken Anstrich versehen sind, korrespondieren mit impressionistisch angehauchten Bildern. Sie reflektieren ästhetisches Erinnern, das aktualisieren und differenzieren will.

So wird auch der drastische Eingriff des Menschen in die Natur zum Thema. "Tagebau" heißt ein Bild aus dem Jahre 2008, das mit breitem Pinselstrich die Verschiebung der Landschaft durch Mensch und Technik demonstriert.

Ungewöhnliche Perspektiven und Spiegelungen sind weitere Antworten von Ina Bierstedt auf Fragen nach zeitgenössischer Darstellung der Natur. In 20 Werken entfaltet sich ein Schaffensbogen von rund 15 Jahren. Kustos Jörg Sperling lenkt den Blick auf Bierstedts Naturräume mit Fern- und Nahwirkung: "Sie fordern den Orientierungssinn heraus, denn sie laden zum Durchwandern ein."

Die Schau ist bis 18. Juni im dkw. zu sehen. Finissage mit den Künstlerinnen Sabine Herrmann und Ina Bierstedt sowie mit Ulrike Kremeier und Jörg Sperling am 18. Juni, 16 Uhr