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| 18:10 Uhr

Scheuerecker-Schau im Dieselkraftwerk fällt erneut aus

Hans Scheuerecker mit neuen Werken aus dem Zyklus "Nur Abschiede und andere Lügen", der nun nicht ins dkw. kommt.
Hans Scheuerecker mit neuen Werken aus dem Zyklus "Nur Abschiede und andere Lügen", der nun nicht ins dkw. kommt. FOTO: Enzian
Cottbus. Geschichte wiederholt sich: Nachdem Hans Scheuereckers Einzelausstellung im Kunstmuseum Dieselkraftwerk (dkw.) "Verloren im Paradies" von 2011 auf Oktober 2013 verschoben wurde, fällt sie erneut aus. Felix Johannes Enzian

Auf Nachfrage der RUNDSCHAU werfen sich Ulrike Kremeier und Hans Scheuerecker gegenseitig Versäumnisse bei der Vorbereitung der Ausstellung vor. Grund und Verantwortung für die offenbar tiefe persönliche Verstimmung und das Scheitern der Zusammenarbeit lassen sich aus der Perspektive des Außenstehenden allerdings nicht feststellen. Die Direktorin des Kunstmuseums Dieselkraftwerk sagt, dass "keine böse Absicht dahintersteckt", und bestätigt, dass die Absage ihre Entscheidung war. Hans Scheuerecker wehrt sich gegen den Vorwurf der Unzuverlässigkeit bei gemeinsamen Terminen und Absprachen. "Alles Lüge, Lüge, Lüge", sagt er und schildert auch seine monatelangen, aufwändigen Arbeiten zur Realisierung der Werkschau. In seinem Atelier führt er umfangreiche Bestände älterer und ganz frischer Kunstwerke vor, darunter den neuen 99-teiligen Gemäldezyklus "Nur Abschiede und andere Lügen", den er im Kubus des Maschinenhauses im dkw. wandfüllend hängen wollte.

Dem Museum und dem Kunstpublikum geht ein Highlight zum Jahresende verloren. Tragisch ist die Absage jedoch vor allem für den Künstler: Hans Scheuerecker, der seit den 70er-Jahren mit seiner erotisch und emotional aufgeladenen, abstrahierten Malerei und Grafik - und seinem dazu passenden Boheme-Lebensstil - für Aufsehen sorgt, muss weiterhin auf seine längst fällige Würdigung als bedeutender Gegenwartskünstler und als Repräsentant kompromissloser Gegenkultur in der DDR durch ein großes staatliches Kunstmuseum in Deutschland warten.

Bereits zu seinem 60. Geburtstag im Jahr 2009 sollte ihm - noch unter der Leitung von Ulrike Kremeiers Amtsvorgängerin Perdita von Kraft - eine Einzelausstellung im dkw. gewidmet werden. Es kam zum Eklat. Scheuerecker sagte damals das Vorhaben wenige Monate vor der Eröffnung ab, weil aus seiner Sicht die finanzielle Unterstützung durch das Museum mangelhaft war, und stimmte dann einer Verschiebung zu.

Eigentlich sollte die Ausstellung "Verloren im Paradies" nun vom 18. Oktober bis Mitte Januar 2014 im dkw. gezeigt werden. Geplant war, dass Scheuerecker verschiedene Werkgruppen von seinen künstlerischen Anfängen bis heute präsentiert. Eine Buchpublikation und eine kleinere Parallelausstellung mit Grafiken des berühmten französischen Künstlers Paul Gauguin (1848-1903), der Scheuerecker stark beeinflusst hat, sollten die Schau begleiten. Außerdem wollte die Neue Sächsische Galerie in Chemnitz die Scheuerecker-Schau übernehmen.

Wie Ulrike Kremeier mitteilt, ist auch die mit Start im September geplante Gauguin-Ausstellung nun hinfällig. Als Ersatz für die beiden Ausfälle werde sie den als Gastausstellung im französischen Brest gezeigten Überblick "Bildersuchlauf" aus der Sammlung des dkw. und eine Ausstellung zur Geschichte des Freejazz in der DDR ins Programm nehmen.