Dieser Wissenschaftler kommt direkt aus der Nervenheilanstalt. Mit seiner Kunstfigur Dr. Nix bringt der Chemnitzer Kabarettist Nico Rudolph einen verwirrten Dozenten auf die Bühne, der seinem Publikum den Unterschied zwischen Chemnitz und Cottbus erklären möchte. Dafür verlässt er für kurze Zeit seine Heilanstalt „Zum braunen Bache“, um „das weltoffene und privilegierte Cottbus zu unterrichten“. So steht es in der Ankündigung des Programms „Chemnitz und die große Weltpolitik“, das Nico Rudolph am 18. Januar in der Mensa der Universität zeigt. Der junge Satiriker beschäftigt sich dabei mit aktuellen, politischen Themen, zu denen die Demonstrationen rechter Parteien und Vereine in der Region ebenso gehören wie die Bundes- und Weltpolitik.

Mit Dr. Nix, einem strauchelnden Politikwissenschaftler aus dem Elfenbeinturm, wollte er ein Alter Ego schaffen, das mit Rudolphs Lebensrealität wenig zu tun hat. Dabei haben sie zumindest das Studienfach gemein. So wie Dr. Nix beschäftigt sich auch Kabarettist Rudolph mit den Politikwissenschaften. Neben den Bühnenauftritten schreibt er derzeit an seiner Magisterarbeit über die Bürgerrechtler Daniela Dahn und Friedrich Schorlemmer. Ein Thema, das auf den ersten Blick wenig komische Aspekte bietet. Doch Rudolph findet auch in diesem Wende-Kontext einen Witz. Ihm genügen zwei Worte: „blühende Landschaften“.

Beim Satirefestival ist Rudolph ein bekanntes Gesicht. Zuletzt trat er 2018 mit seinem Programm „Einführung in die Kapitalismuskritik“ auf. Für den 29-jährigen Nachwuchskabarettisten bedeuten die Besuche in Cottbus wertvolle Bühnenerfahrung. „Ich bin gerade dabei, mich zu professionalisieren“, sagt Rudolph und erzählt vom Entstehungsprozess seines Internetauftritts. „Dazu arbeite ich an meiner Fähigkeit zum Programmieren.“ Zu den Auftritten vor einem größeren Publikum zählen neben der Visite in Cottbus 2018 auch Besuche bei der Leipziger Lachmesse. Rund 80 Zuschauer konnten den 29-Jährigen dort im Oktober 2018 sehen.

Die Begeisterung fürs Kabarett entdeckte Rudolph früh: „Ich habe schon sehr lange ein großes Interesse an dieser Form von Humor. Irgendwann war die Zeit gekommen, mich in diesem Genre selbst auszuprobieren“. Die Inspiration lieferten bekannte Komiker, wie der Dresdner Uwe Steimle (bekannt für seine Erich-Honecker-Imitation) oder das Ensemble der ZDF-Comedy „Die Anstalt“.

Für sein Programm sucht Rudolph bevorzugt nach Widersprüchen, die ihren eigenen Witz entfalten. „Ich arbeite sehr spontan. Sobald mir bei einem Thema auffällt, forsche ich nach den Unvereinbarkeiten, die darin erhalten sind und überspitze sie.“ Bei seinem Auftritt in der Mensa stehen ihm 20 Minuten Spielzeit zur Verfügung, um das Publikum mit dieser Strategie zu überzeugen. Sie erwartet ein Potpourri aus Weltpolitik, AfD-Kritik, USA-Russland-Vergleich und Nachwendezeit. Für die Zukunft plant der 29-Jährige mit einer Erweiterung seiner Auftritte um ein musikalisches Element. „Ich arbeite an einer Gitarrenbegleitung für mein Programm“.

Nico Rudolph tritt am 18. Januar um 19.30 Uhr als Dr. Nix in der Mensa der Universität Cottbus auf. Dort werden auch „Die Wahrhaft Schwachen“ aus Karlsruhe, Steffen Hagemann aus Berlin sowie das Ensemble Rohrstock aus Rostock zu sehen sein.

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