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Sandow schaut in „Entfernte Welten“

Die berühmte Band "Sandow" bringt ein neues Album heraus.
Die berühmte Band "Sandow" bringt ein neues Album heraus. FOTO: Marek Cucera
Cottbus. Sandow, die wohl bekannteste und innovativste Avantgarde-Band aus der DDR, steht nach längerer Zeit vor der Veröffentlichung eines neuen Albums, für das 2014 die ersten Aufnahmen begonnen hatten. Der Record Release für „Entfernte Welten“ ist für den 1. September in Leipzig vorgesehen, danach ist eine Herbsttournee geplant. Peter Blochwitz

Finanziert wird dieses Konzept-Album mithilfe der Fans, die als Dankeschön unter anderem Skulpturen erhalten, die Bandmitglied Chris Hinze gefertigt hat.

Sänger Kai-Uwe Kohlschmidt, der im vergangenen Jahr mit der Künstlergruppe Mangan 25 in Papua-Neuguinea unterwegs war, weist auf eine andere Crowdfunding-Aktion hin: ",Ein Jeep für Papua'. Nachdem uns dort so geholfen wurde, wollen wir nun anderen helfen. Unser Chefscout braucht unbedingt einen neuen Jeep." Die künstlerische Ausbeute der Papua-Expedition ist derzeit unter dem Titel "Finde Mangan!" in Magdeburg und vom 30. Juni bis 3..September im Kavaliershaus Bad Muskau zu sehen.

Sandow wurde 1982 im gleichnamigen Cottbuser Stadtteil von den 13-jährigen Schülern Kai-Uwe Kohlschmidt und Chris Hinze gegründet, die von Anfang an für alternative und experimentelle Musik standen. Über den Dokumentarfilm "flüstern & Schreien", der mehr als eine Million Zuschauer hatte, wurde die Band einem größeren Publikum bekannt. Legendär wurde ihr Titel "Born in the G.D.R.", inspiriert vom Auftritt Bruce Springsteens 1988 in Ostberlin. Das Lied wurde teilweise als Lobeshymne auf die DDR missdeutet, war allerdings, wie die Bandmitglieder immer wieder klarstellen mussten, ironisch gemeint: Stramme FDJ-Mitglieder, die in Berlin-Weißensee "Born in the U.S.A." mitgrölten, das ging Sandow über die Hutschnur…

Nach der Wende tobte sich Sandow in zahlreichen wilden Live-Shows, Crossmedia-Projekten und Massenperformances wie "Ngoma" mit 500 Trommlern aus. Rammstein, heute weltweit erfolgreich, hatte Anfang der 90er-Jahre eines ihrer ersten Konzerte in Potsdam als Vorband von Sandow. Selbst spielte die Band 1991 beim Bizarre Festival vor Iggy Pop und den Ramones.

1999 löste sich Sandow auf, fand 2007 wieder zusammen und gab ihr Comeback-Konzert gemeinsam mit dem Filmorchester Babelsberg. 2012 beeindruckte die Gruppe das internationale Publikum bei der Eröffnung des Filmfestivals Cottbus im Großen Haus des Staatstheaters.

Aktuell spielt die Band in der Besetzung Tilman Berg (Schlagzeug) Tilman Fürstenau (Bass, Cello) Chris Hinze (Gitarre, Kettensäge) Kai-Uwe Kohlschmidt (Gesang, Text, Gitarre).

www.sandow.de