"Ich bin breit aufgestellt", scherzt Hans-Georg Wagner. Der Cottbuser Bildhauer spielt auf den Titel eines seiner Werke ein: Die kantige Figur aus Eichenholz steht selbstbewusst da.

Mit einem Preis von 6600 Euro zählt sie in der Potsdamer Waschhaus-Arena zu den Kunstwerken der obersten Preisliga.

Mit "breit aufgestellt" meint der 1962 geborene Hans-Georg Wagner zugleich seinen diesjährigen Messeauftritt insgesamt. Der Cottbuser belegt gleich zwei Stände und zeigt 30 Arbeiten. Der erfahrene Bildhauer weiß, dass für Skulpturen gutes Licht entscheidend ist, deswegen hat er extra viele Strahler eingerichtet. Ein Videomonitor zeigt Filme über seine Arbeit.

Über QR-Codes können Besucher weitere Informationen zu den Kunstwerken abrufen. So viel Aufwand wie Hans-Georg Wagner treibt auf der Art Brandenburg kein anderer Künstler. Größere Verkäufe erwartet der Cottbuser aufgrund früherer Erfahrungen auf der Art Brandenburg trotzdem nicht. Er hofft nur, dass mancher Messebesucher den Weg in sein Atelier findet.

Auch die Cottbuser Künstler Elena Acquati und David Lehmann legen Wert auf einen hochwertigen Messeauftritt, der bei ihnen einige Nummern kleiner ausfällt. Die beiden teilen sich einen Stand, an dem sie insgesamt neun Bilder ab 400 Euro aufwärts zeigen. Blickfang ist Elena Acquatis Bildcollage "Ladyboy" (4000 Euro), die sich mit den Schicksalen von Transsexuellen in Gesellschaften mit bigotten Moralvorstellungen auseinandersetzt.

Am gestrigen Sonntagmittag, dem letzten der drei Messetage, haben schließlich alle drei Lausitzer Künstler noch keine einzige Einnahme zu verzeichnen. "Nach Potsdam kommen eher Leute, um sich Kunst nur anzuschauen", resümiert David Lehmann.

Der 1987 in Luckau geborene Maler kann den Ausfall verschmerzen. Er nahm am Wochenende auch an der großen Hamburger Ausstellung "Salon der Gegenwart" mit anschließendem Sammler-Dinner teil und verkaufte auf Anhieb ein Öl-Gemälde. Zudem erwarten ihn eine Katalogpräsentation bei der Ostdeutschen Sparkassen-Stiftung und ein Stipendium in Istanbul.

Seit 2005 befindet sich die Art Brandenburg auf einem Weg der Professionalisierung. Einige wichtige Schritte sind allerdings noch zu gehen, damit die Messe sich als Verkaufsplattform für hochwertige Kunst etablieren kann. Zum einen inszenieren viele Künstler ihre Arbeiten nicht genügend sorgfältig oder setzen auf vermeintliche Schnäppchen im untersten Preissegment. Sogar "Keramikmedaillons" für drei Euro in einer Wühlkiste werden feilgeboten. Auf diese Weise entsteht der Eindruck eines Jahrmarktes, der auch den gut gemachten Angeboten insgesamt schadet.

Zum Anderen fehlt eine größere Zahl an Werken und Präsentationsformen, die Aufsehen erregen.

Was die Art Brandenburg zur Schärfung des Profils brauchen könnte, wäre eine stärker eingreifende kuratorische Instanz, die die Messeauftritte gemeinsam mit den Künstlern konzeptionell vorbereitet.

Zum Thema:
Die Messe wurde vom Brandenburgischen Künstlerverband initiiert und findet seit 2005 alle zwei Jahre in Potsdam statt. Was sie von Messen in größeren Kunstmetropolen unterscheidet, ist die rein regionale Ausrichtung. Zudem werden die Künstler nicht von Galeristen vertreten, sondern präsentieren ihre Arbeiten selbst. Eine Jury, zu der Ulrike Kremeier, die Leiterin des Cottbuser dkw. Kunstmuseums, gehört, entscheidet über die Teilnahme.