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| 13:22 Uhr

Filmpremiere
Experiment mit Kubus und Smartphone

Filmprojekt „Quader Vanitas“ von Donald Saischowa in Cottbus .
Filmprojekt „Quader Vanitas“ von Donald Saischowa in Cottbus . FOTO: Hilscher Andrea / LR
Cottbus. Im Landesmuseum für Moderne Kunst betritt der Cottbuser Regisseur Donald Saischowa mit „Quader Vanitas“ Neuland. Von Andrea Hilscher

Die Einladung zur Premiere des Films „Quader Vanitas“ klang vielversprechend: Die experimentelle Installation sei eine „Ode ans Handwerk“, eine „optische Poesie im Stadtraum Cottbus“. Doch so ganz schienen die Initiatoren des Events im Cottbuser Landesmuseum für moderne Kunst ihrer Idee nicht zu trauen – sie hatten nur mit einem kleinen Kreis an Besuchern gerechnet, wurden vom Ansturm überrascht und mussten improvisieren.

 Doch was war es eigentlich, was da die führenden Kunstschaffenden der Lausitz ins Dieselkraftwerk zog? Bildhauer und Theaterleute, Maler und Holzkünstler, Schreiber, Musiker und Cineasten drängten sich am Freitagabend in den Ausstellungsraum, bereit, sich überraschen zu lassen – von einem Kunstprojekt, das vor vielen Monaten seinen Ursprung in Cottbus genommen hatte. Jörg Sperling, Kustos des Hauses und Ideengeber für „Quader Vanitas“, fasst den Beginn des Projektes so zusammen: „Wir haben mit dem Schlimmsten gerechnet, und entstanden ist etwas Wunderbares.“ 

Wunder Nummer 1: Der Bildhauer und BTU-Lehrstuhlinhaber Jo Achermann hat vor gut eineinhalb Jahren einen Holzkubus auf die Reise durch Cottbus geschickt. Zunächst stand die Konstruktion aus Eichenlatten einige Monate am Cottbuser Amtsteich, später auf dem Campus der Universität und schließlich am Platz vor dem Heronbrunnen. „In vielen anderen Großstädten ist die Bevölkerung an Kunst im öffentlichen Raum gewöhnt“, so Ackermann. In Cottbus aber gebe es wenig Erfahrung mit derartigen Aktionen.“ Die Gefahr also sei groß gewesen, dass der Holzkubus zu massiven Irritationen führt, Aggressionen auslöst oder gar zerstört wird. Nichts davon ist passiert.Inzwischen hat das Kunstwerk seinen endgültigen Standort vor dem Klinikum Niederlausitz in Lauchhammer gefunden.

Wunder Nummer 2: Der Filmemacher und Regisseur Donald Saischowa hat den Entstehungsprozess und die Wanderungen der Skulptur mit der Kamera begleitet. Wie schon bei seinen Filmen über die Kunstprojekte von Christo und Jean-Claude, sowie über die Lausitzer Künstler Eberhard Krüger und Hans-Georg, schafft Saischowa dabei eine ganz eigene Bilderwelt, die spannende Zugänge eröffnet – sowohl zum Werk als auch zu seinem Schöpfer. Wunderbare Ein- und Ausblicke, Schattenspiele, Überblendungen und immer wieder Bezüge zwischen Innen und Außen, Objekt und Mensch, Kunstwerk und Umfeld.

Wunder Nummer 3: Der Achermann-Kubus hat den Cottbuser Kamerakünstler nicht nur zu einem einzigen Film inspiriert – Saischowa erzählt uns mit seiner Kamera gleich drei wahrhaft wunderbare Geschichten, die in einem medialen Triptychon simultan betrachten werden können und sich so zu einem sich gegenseitig befruchtenden Hochgenuss verdichten. Worte braucht Saischowa nicht, um seine Geschichten zu erzählen. Ihm reichen die Bilder von Skulptur und Landschaft, von Licht und Schatten, um die strenge Schönheit des Holzkunstwerkes zu begreifen und nachzuvollziehen, wie Jahreszeiten, Standorte und wechselnde Betrachter sich das Werk zu eigen machen. Diese Bilder laufen auf einem Monitor in Endlosschleife, begleitet von den Klängen des Marimbafons, mit denen der Cottbuser Schlagzeuger Stefan Friedrich einen Klangteppich webt, der Rhythmus und Melodie der Films spiegelt.

Hinter dem Monitor, auf frisch geweißter Wand, laufen Bilder ganz anderer Art. Sie zeigen uns, wie Holz-Kunst entsteht: Mit millimetergenauer Präzision, mit Kraft und fast schon akrobatischem Können. Die beiden Zimmerleute, die sich in ihrer Werkstatt in Sellessen an dem über vier Meter langen und 2,60 Meter hohen geometrischen Körper abgearbeitet haben, sind die heimlichen Stars des Films. Ihre Bewegungen werden zum virtuosen Tanz mit Werkzeug und Material – und sie selbst sind vollkommen überrascht, wie ihre Arbeit auf der Leinwand an Größe gewinnt. „Es ist unglaublich, was der Donald alles gesehen hat“, sagt Zimmerer Sven Puchert begeistert, und sein Kollege Tony Perse ergänzt: „Wir waren so in unseren Job vertieft, dass wir die Kamera überhaupt nicht mehr bemerkt haben.“ Erstaunt sind beide, „dass man uns so sehr ansieht, wie fertig wir zeitweise waren.“ Körperliche Höchstleistung war das eine, enorme Anforderungen an präzise Handwerkskunst das andere. „Herr Achermann legt unheimlich viel Wert auf Genauigkeit“, sagen die Handwerker. Und jetzt? Jetzt sind sie zufrieden – mit dem Kubus und dem Film.

Zufrieden, gefesselt und fasziniert sind auch die anderen Besucher des Premierenabends. Immer wieder wechseln sie den Standort, um Sound und Bildwelten aus neuen Perspektiven auf sich wirken zu lassen. Vergnügt erproben sie auch die dritte Bildebene des Triptychons: Über einen QR-Code können sich die Besucher via Smartphone zu einem Youtube-Video führen lassen, dass den Transport der Holzskulptur dokumentiert.

Der Film bietet ganz faszinierende Bilder und Übergänge, amüsiert dabei mit seinem versteckten Humor“, sagt der Cottbuser Bildhauer und Grafiker Hans-Georg Wagner. Die zahlreichen amüsanten Anspielungen, die sich in Saischowas Bilderwelten verstecken, sollte jeder Besucher für sich entdecken, Zeit dafür ist noch bis zum 18. Januar im Landesmuseum am Cottbuser Amtsteich.