Pippilotta Viktualia Rollgardina Pfefferminza Efraimstochter Langstrumpf, kurz Pippi genannt, wählt natürlich nicht den gewöhnlichen Weg. Sie schwebt förmlich vom Theaterhimmel. Und sofort empfangen sie Beifallsstürme, haben sie alle ins Herz geschlossen. Mit Ausnahme von Frau Prysselius mit den lila Haaren (Susanne Thiede), die das freche Gör (Lucie Thiede) am liebsten ins Erziehungsheim stecken will.

Auch dem feinen Herrn, der die Villa kinderfrei herrichten wollte (fies karikiert von Michael Becker) passt die Sache gar nicht. Denn das Mädchen mit den feuerroten störrischen Zöpfen und Schuhen, in denen man Boot fahren kann, wirbelt gleich alles durcheinander.

Sie verwandelt die Villa Immergrau in die Villa Kunterbunt und zieht dort mit Herrn Nilsson (Matthias Manz) ein, der ein Riesenaffentheater veranstaltet (affenstark gespielt!) und zudem noch Musik macht, begleitet von der tollen Villa-Kunterbunt-Band (Dan Baron, Heiko Liebmann, Lu Schulz).

Nicht genug. Auch Pippis "Kleiner Onkel" zieht mit in dieses Haus. Ein echtes Pferd, mit bunter Mütze!

Da werden alle Kinderträume auf einmal wahr. Die kleinen Zuschauer sind ganz aus dem Häuschen. Zumal Pippi (Lucie Thiede wunderbar unerschrocken, ausgelassen und quicklebendig in der Rolle) noch dieses Lied singt, das sie fast alle kennen und auch mitsingen: "Hey - Pippi Langstrumpf, die macht, was ihr gefällt."

Das gefällt auch Pippis Nachbarskindern, selbst, wenn sie schwindelt, dass sich die Balken biegen. Aber sie ist wirklich stark, mutig und steckt voller toller Einfälle, die in der Regie von Schauspieldirektor Mario Holetzeck zu einem fröhlichen und fantasievollen Weihnachtsmärchen werden, wobei auch das Tannenbaum-Lied ungeniert umgedichtet wird.

Lucie Thiede spielt Pippi Langstrumpf als liebenswerte Rebellin, die die Regeln der Erwachsenenwelt rotzfrech infrage stellt. Aber was wäre Pippi ohne ihren Affen und musikalischen Begleiter in allen Lebenslagen, Herrn Nilsson? Matthias Manz, der bereits mehrfach am Staatstheater Cottbus zu Gast war, gibt seinem Affen wirklich Zucker!

Susanne Suhrs Kostüme sind kunterbunt und verwegen. Juan Leóns überschwängliches und zauberhaftes Bühnenbild verrät die Liebe zum Detail. Etwa, wenn Schnee am Theaterhimmel glitzert oder in Flocken auf die Bühne fällt. Vor allem aber dieser Limonadenbaum lässt die Herzen höher schlagen. Der lässt sich doch tatsächlich anzapfen!

Das stachelt die Spiellust an. Fast alle Darsteller sind in mehreren Rollen zu sehen. Als vertrocknetes Damentrio aber wirken Gunnar Golkowski, Rolf-Jürgen Gebert und Michael Becker besonders köstlich, zumal da eine Sahnetorte für einen Frischekick sorgt.

Zwischendurch wird gerauft und geschaukelt, geklettert und gerockt. AnnaLisa Cantons Choreografie lässt alle immer wieder ausgelassen tanzen, um das Geschehen noch einmal wie in Zeitlupe märchenhaft auf den Punkt zu bringen.

Pippi rennt auch schon mal mit dem Blecheimer auf dem Kopf gegen die Wand. Räuber liegen auf dem Rücken und wackeln mit den Beinen wie umgekippte Käfer oder schlagen sich mit Schwimmnudeln die Köpfe ein. Herrlicher Blödsinn, worüber Kinder richtig herzhaft lachen können. Zumal sie mit dieser Pippi, die Astrid Lindgren einst weltberühmt machte, auch ein bisschen mitleiden. Sie sprüht zwar förmlich vor Lebensfreude. Aber manchmal fühlt sie sich auch einsam ohne Mutter, die ein Engel ist, und den Seeräubervater. Da braucht sie dringend die (enthusiastisch mitwirkenden) Schulkinder auf der Bühne. Und spielt auch den Kindern im Saal schon mal einen riesigen Ball bis in die oberen Ränge zu.

Da scheint eine Polizeisirene direkt aus Geberts Bauch zu kommen. Widerstand gegen die Staatsgewalt? "Ach Quatsch", ruft Pippi, "wir spielen doch nur."

Und wie!

Die nächsten Termine: 15. November, 11 Uhr, 29. November, 11. Uhr und 16 Uhr, 13. Dezember, 16 Uhr, 26. Dezember, 10 Uhr, 29. Dezember, 11 Uhr

Zum Thema:
Wolke Fibiger (6): "Ich weiß schon aus dem Buch zu Hause: Das Besondere an Pippi ist, dass sie so stark ist!" Das Mädchen aus Finsterwalde sieht wie Pippi Langstrumpf in Blond aus, nach oben gewirbelte Zöpfe, Ringelstrümpfe, zu große Schuhe. "Die Schuhe gehören meiner Mama, und Oma hat uns die Theaterkarten geschenkt", erzählt sie. Susanne Fibiger (50): "Mir gefällt, dass Pippi so unkonventionell ist und den Erwachsenen die Welt erklärt, wie sie sein könnte. Da kann man viel von ihr lernen: vor allem Toleranz. Barbara Fibiger (75): "Schon als wir noch in Düsseldorf lebten, ist die ganze Familie ins Weihnachtsmärchen gegangen. Drei Generationen gemeinsam, das ist doch schön."Olivia (5) und Iliane Obst (12), Drebkau: "Wir sind das erste Mal im Theater in Cottbus. Das war toll, wie die Schneeflocken am Theaterhimmel leuchteten. Und Pippi mit ihren frechen Zöpfen war echt lustig. Das Pippi-Langstrumpf-Lied haben wir sogar mitgesungen."Für Familie Männel aus Peitz ist es der erste Theaterbesuch zu viert. Luca (5): "Die Zöpfe haben mir am meisten gefallen, ihre Stimme und wie sie tanzen kann." Friederike (33): "Das Stück erinnert mich an meine eigene Kindheit. Es war verrückt, bunt, lebensfroh, ganz anders als der Alltag." Jürgen (34): Sogar unser zweijähriger Alex hat gesessen wie eine Eins. Alles super gemacht. Wir haben viel Spaß gehabt auf diesem besonderen Familienausflug, den wir der Oma zu verdanken haben.