Es ist nun schon das vierte Büchlein, in dem der Cottbuser Schauspieler Michael Becker Schnurren aus seinem Leben und über die Zeit, in der wir leben, erzählt. Er tut das mit Witz und Nachdenklichkeit, liebevoll und manchmal frech. Vor allem mit der ihm eigenen Art zu erzählen, die vom Hundertsten ins Tausendste kommt, abenteuerliche Zusammenhänge herstellt und gerade deshalb so unterhaltsam ist. Mit seinen Geschichten hilft er der eigenen Erinnerung auf die Sprünge und man wundert sich: Wie passt das alles in seinen Kopf? Die vielen Details und Episoden.

Etwa wenn er von einer Theaterreise nach Zittau erzählt, zu der ihn ein Schauspielerkollege namens Rüdiger eingeladen hat. Angeblich wird sie unternommen, um dem inzwischen auch schauspielenden Sohn Rüdigers bei einer „Amphitryon“-Aufführung im Buschhäusel bei Herrnhut – in der Nähe von Zittau – beizustehen. In Wirklichkeit ist es eine Reise in die Vergangenheit, denn am Zittauer Gerhart-Hauptmann-Theater hatte für Michael Becker das Bühnenleben begonnen. Rüdiger war sein Kollege. Becker erinnert sich, wie die weltberühmte Annerose Schmidt vom Pförtner mit „Sie san die Klavierspielerin aus Leipzsch“ begrüßt wurde. Oder wie er für 850 Mark wegengagiert wurde – nach Görlitz – und wie sehr er schon damals das Theater liebte, zu dem „Talent und Eitelkeit, aber vor allem Demut dem Dichter gegenüber . . .“ gehören.

Irgendwie spielt in allen Geschichten Lieberose eine Rolle, wo er geboren wurde und wo er sich heimisch fühlt. Auch wenn dort mitunter die spanischen Nacktschnecken einfallen, die selbst Felix der Drachentöter lieber links liegen lässt. Felix ist Micha Beckers heldenhafter Kater, der es immerhin mit einer Ringelnatter aufgenommen hat.

Der Schauspieler schreibt über das besondere Verhältnis zu seinem gelben Kachelofen, über Frauen, die sich lila färben und in der Schweiz geklaute Himbeersträucher. Er denkt zurück an seine Zeit als Aushilfskellner im Deutschen Haus in Lieberose, die ihm unter anderem zu der wichtigen Erkenntnis verhalf: „Morgen um neun also alles von vorn. Nur 'ne Beerdigung, Beerdigung bringt Stob. Stob is gut.“

Dass in Polen manches anders ist, macht er nicht nur an einem rot gefiederten Kaktus fest. Becker geht mit offenen Sinnen und politischem Verstand durchs Leben und er scheut sich nicht, Stellung zu beziehen. Die Inszenierung des Stücks „Hallo Nazi“ in Cottbus und Zielona Gora ist ein Beispiel dafür. Aus seiner Meinung zu deutschen Soldaten in Afghanistan wie zu den Amerikanern im Irak macht er keinen Hehl.

Seine Begeisterung für Polen hat jedenfalls dazu geführt, dass die Titelgeschichte des Buches auch auf Polnisch abgedruckt ist.

Wer sie lieber so lesen will . . . Entstanden jedenfalls ist wieder eine höchst amüsante Lektüre, in der das Theater und Lieberose zum Nabel der Welt werden, die Nabelschau zur Weltsicht.

Illustrationen des Cottbuser Malers und Grafikers Meinhard Bärmich versuchen, mit Witz dem Hundertsten und Tausendsten bildhaft Gestalt zu verleihen. Sie bebildern die Geschichten aber nicht nur, sondern erzählen schon wieder ganz eigene. ISBN: 978-3-00-035747-3