ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 16:58 Uhr

Interview mit Roland Jankowsky
Wenn Overbeck in Senftenberg ermittelt

Morgen wird die 60. Folge der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“ ausgestrahlt. Kriminell geht es auch in Senftenberg zu, wenn Overbeck-Darsteller Roland Jankowsky zur Lesung kommt.
Morgen wird die 60. Folge der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“ ausgestrahlt. Kriminell geht es auch in Senftenberg zu, wenn Overbeck-Darsteller Roland Jankowsky zur Lesung kommt. FOTO: Jürgen Schädel
Senftenberg. Der aus „Wilsberg“ bekannte Schauspieler liest Krimis in der Neuen Bühne. Er verspricht: Dabei kann auch gelacht werden. Von Heidrun Seidel

Wenn am Sonnabend die 60. Folge der ZDF-Krimiserie „Wilsberg“ über den Bildschirm flimmert, lässt Overbeck garantiert wieder kein Fettnäpfchen aus. Der schräge Kommissar mit Sonnenbrille ist längst zur Kultfigur der Serie geworden. Ihn mag das Publikum und auch seinen Darsteller Roland Jankowsky. Der kommt am 7. Oktober zum ersten Mal ins Senftenberger Theater – mit einer Krimilesung.

Seit 20 Jahren spielen Sie den Overbeck. Wie sehen Sie ihn?

Jankowsky Kommissar Overbeck ist der Assistent von Hauptkommissarin Springer, gespielt von Rita Russek. Er hält sich selbst wohl für den Mann der Tat und vergaloppiert sich bei den Ermittlungen öfter mal, weil er etwas großspurig ist und sich selbst überschätzt. Aber er trägt sein Herz auf der Zunge. Dabei merkt er leider immer zu spät, dass er schon wieder im Fettnäpfchen steht. Ich denke, es ist vielleicht dieses Unperfekte, diese schräge Figur mit ihren Schwächen, die sie beim Publikum auch so beliebt macht. Solche Leute kennt man halt – oder findet sich gar selbst wieder.

Ihre Rolle hat sich in den 20 Jahren verändert.

Jankowsky Ja, darüber freue ich mich auch. Sie hat sich von einer Drei-Satz-Nebenrolle in den Hauptcast hochgespielt.

Fühlen Sie sich als Schauspieler durch die 20 Jahre Overbeck auf den schrägen Kommissar festgelegt?

Jankowsky Ja und nein. Wenn es diese Entwicklung der Rolle nicht gegeben hätte, wäre ich vielleicht vor zehn Jahren ausgestiegen. Jetzt aber ist sie im klassischen Sinne als der Narr im Spiel angelegt. Ein Narr darf alles. Er darf als New-York-Cop oder mit Mönchskutte im Kloster ermitteln oder Heilsteine und einen Hauch Esotherik ausprobieren. Das sind für mich viele verschiedene Spielmöglichkeiten, die Spaß machen. Außerdem habe ich gerade in diesem Jahr auch andere interessante Angebote spielen können, zum Beispiel in der Serie „Die Kanzlei“ in Hamburg oder in der Soko Stuttgart. Dann spiele ich noch einen Kapitän in einem Low-Budget-Kino-Historienfilm über die erste deutsche Seriengiftmörderin. Aber das Fernsehen ist seit Mitte der 90er-Jahre mein hauptsächliches Arbeitsfeld. Vorher habe ich auch an Theatern in Köln, Hamburg, Leverkusen oder Essen gearbeitet.

Wann wird der nächste Wilsberg gedreht?

Jankowsky Am Sonnabend, dem 8. September, kommt erst einmal die nächste Folge ins Fernsehen. Eine sehr schöne Folge mit neuen Stilmitteln und Überraschungen, wie ich finde: „Die Nadel im Müllhaufen“. Vergangenen Sonntag hatte sie Vorpremiere am Aasee bei Münster, und dem Publikum hat sie sehr gefallen. So ein Live-Feedback tut gut, das hat man ja sonst nicht im Fernsehen. An diesem Tag in Münster engagiert sich übrigens ein Teil des Wilsberg-Teams jedes Jahr als Promi-Kellner und spielt damit Geld für die Münsteraner Krebsberatung ein. Die Dreharbeiten für die nächsten Filme beginnen am 9. Oktober – und man glaubt es kaum, ein Teil wird in Bielefeld gedreht. Treue Zuschauer wissen, dass als Running Gag in jeder Folge der Name der Stadt irgendwo versteckt ist. Das hängt damit zusammen, dass unser Redakteur aus Bielefeld kommt – und diesmal drehen wir dort sogar.

Wie oft drehen Sie?

Jankowsky Inzwischen drehen wir meist vier Folgen im Jahr. 2019 wird es wie bereits 2017 mit „Moderney“ eine Extrafolge geben. Das sind dann pro Doppel-Folge etwa 20 Drehtage in rund neun Wochen.

Dennoch bleibt Ihnen Zeit für Ihre Krimi-Lesereise, die Sie auch erstmals nach Senftenberg führt.

Jankowsky Ja, und ich bin schon ganz gespannt darauf. Ich habe bisher die unterschiedlichsten Reaktionen erlebt. Manchmal reagiert das Publikum mit vielen Zwischenlachern. Manchmal ist es ganz still und will einen dann aber nicht mehr gehen lassen.

Es gibt also auch immer viel zu lachen in Ihren Lesungen?

Jankowsky Auf jeden Fall. Nach Senftenberg komme ich mit meiner ersten Lesereihe „Wenn Overbeck kommt“. In den Kurzgeschichten geht es um Killer und die Tücken, denen sich dieser Berufsstand stellen muss. Dabei springe ich in bis zu zehn Rollen und Dialekte.

Wählen Sie die Geschichten selbst aus?

Jankowsky Ja, ich lese dafür viel, vor allem Anthologien mit kurzen Krimis. Da ist nicht jede Geschichte ein Brüller nach meinem Geschmack. Ich suche die, die etwas schräg sind, möglichst auch Witz haben und eine überraschende Wendung am Ende. Da können durchaus auch Köpfe rollen oder das Blut spritzt, aber direkt danach wird wieder gelacht.

Die Kritik bescheinigt Ihnen mit ihrer kraftvollen Stimme, ein exzellenter Vorleser zu sein, der seinen Vortrag „mit origineller Körpersprache, gelegentlichen Querverweisen und Bonmots“ würzt und dessen „Lesekunst ... allerbeste Unterhaltung“ verspricht. Das ist aber nicht Ihre einzige „Nebenbeschäftigung“. Auf Ihrer Homepage ist auch vom Sänger Jankowsky zu lesen. Sie haben die Francois-Villon-CD „Nur der, der lebt, lebt angenehm“ herausgebracht, Texte und Lieder sehr prononciert, kraftvoll und emphatisch vorgetragen. Was reizt Sie an Villon?

Jankowsky Ich habe auch ein Francois-Villon-Programm, mit dem ich vor einigen Jahren viel unterwegs war. Ich finde die Zeitlosigkeit seiner Themen so faszinierend. Immerhin stammen sie aus dem 15. Jahrhundert. Aber die Einheit, die den Gegensätzen wie Tod und Leben, Liebe und Trennung, Reichtum und Armut allesamt innewohnt, hat er messerscharf auf den Punkt gebracht. Hauptsächlich Paul Zech, aber auch Peter Labouvie haben die Texte sprachlich ins Heute übertragen.

Sie sind in diesem Jahr 50 geworden, sehr gut im Geschäft – was bleibt an Rollenwünschen noch offen?

Jankowsky Da gibt es jetzt nicht die Rolle, auf die ich warte. Ich denke, ich habe gezeigt, auch am Theater, dass mir die abgründigen Rollen sehr liegen. Davon können gern noch mehr kommen.

Mit Roland Jankowsky sprach Heidrun Seidel.

„Wenn Overbeck kommt“ – eine Krimilesung mit Roland Jankowsky – findet am 7. Oktober, 18 Uhr in der Neuen Bühne Senftenberg statt. Karten für 15 Euro an der Theaterkasse, unter Telefon: 03573 801286, auf der Homepage oder in den bekannten Vorverkaufsstellen.