Roger Whittaker taucht einfach mitten unter seinen Fans auf wie ein alter Bekannter, auf den alle gewartet haben. Und sofort wird er mit großem Hallo, Beifall und Blumen überschüttet, will ihm Alt und Jung die Hand reichen. „Liebe endet nie“ heißt sein neues Album, mit dem er in seinem 50. Bühnenjahr auf Tournee ist. Dabei hat er seinen Abschied schon vor fast einem Jahrzehnt angekündigt.

„Du bist ein Engel“ huldigt der Charmeur seiner Frau, mit der er seit 45 Jahren verheiratet ist. Fünf wunderbare Kinder habe er und acht Enkelkinder, erzählt er, um die Worte Musik werden zu lassen: „Mit kleinen Schritten fängt alles an.“ Seine Lieder atmen Glaubwürdigkeit, schon gar, wenn er auf der Video-Leinwand als unwiderstehlicher Großpapa mit seinem jüngsten Enkel zu sehen ist. Zu hören ist er allerdings nicht in jedem Falle so gut, seine Stimme scheint an Kraft verloren zu haben, die Texte sind nicht immer verständlich.

„Langsam fährt das Schiff in seinen Hafen“, singt Roger Whittaker, seit einem halben Jahrhundert auf Unterhaltungskurs, hier kraftvoll unterstützt von seinen Backgroundsängerinnen und einer Band, die mit Spaß bei der Sache ist. Natürlich nicht ohne ein bisschen Aroma, ein bisschen Paloma und vor allem Chichi von Roger Whittaker, dem das komödiantische Talent nicht verloren gegangen ist. Die Liebeserklärung an sein Geburtsland Kenia berührt.

Und Pfeifen kann der fast 73-Jährige auf so eine spitzbübische Art, dass jeder junge Bursche blass vor Neid werden könnte. Ein afrikanisches Pfeifkonzert, das das Schlagerkonzert weit in den Schatten stellt, auch wenn bei den alten Hits noch einmal die ungeheure Vitalität von damals zu spüren ist. Das treibt ein paar junge Leute ganz nah an den Bühnenrand, um zu tanzen

Ein 25-Jähriger aus Jänschwalde aber bleibt mit seiner drei Jahre jüngeren Freundin Carolin Fongern und leicht enttäuschtem Gesichtsausdruck in der dritten Reihe sitzen: „Ich höre zu Hause Roger Whittaker rauf und runter, bin sein größer Fan“, gibt sich Robert Kotzur zu erkennen. Schöne Tanzmusik habe der Schlagerstar gemacht, mit extrem viel Sinn. Respekt. Aber bei „diesen abgehackten Arrangements“ in der Cottbuser Stadthalle konnte der junge Tischler einfach nicht mitsingen, kam für ihn keine Stimmung auf.

Ob er noch einmal auf ein Livekonzert gehen wird, steht in den Sternen. Eines aber sei sicher: Auf seinem Polterabend wird er Roger-Whittaker-CDs auflegen.

Der Gentlemen des deutschen Schlagers hat 55 Millionen Platten verkauft, dafür mehr als 250 Silberne, Goldene und Platine Schallplatten eingeheimst. An diesem Abend hat Roger Whittaker mehr denn je deutlich gemacht: „Abschied ist ein scharfes Schwert.“ Und dennoch sollte es geschwungen werden, solange auch die Fans noch fest an ihn glauben. Mit ein bisschen Chichi: „Liebe endet nie“.