Nach seinem Abschluss am Harvard College und an der Harvard Business School steigt er mit gerade mal 26 Jahren ein in das große Geschäft an den Börsen dieser Welt, schnuppert die Luft von Macht und Geld. Gerade von Letzterem kann er nie genug bekommen.

Dafür kauft er Aktien leer oder zerschlägt Firmen, um die Filetstücke zu Kohle zu machen. Selbst seine Rettung von Borussia Dortmund hat eigentlich nur ein Ziel: Geldverdienen. Dass der Fußballverein heute finanziell so gut dasteht, dafür legte Homm durch seine Rettungsmaßnahmen und sein radikales Durchgreifen in den schweren schwarz-gelben Zeiten mit eine Grundlage. Noch heute ist er ein großer Anhänger der Dortmunder Truppe. Seine Raubzüge führen den Vater zweier Kinder durch viele Branchen und Länder - er (be)-nutzt die Mafia genauso wie die Uno, um Millionen zu verdienen. Er verschafft sich sogar einen Diplomatenstatus, um ungehinderter zwischen den Welten wandeln zu können.

Dass er sieben Sprachen beherrscht, ist dem Großneffen des einstigen Versandhauskönigs Josef Neckermann durchaus hilfreich. Als Kind hat er dessen Leben und Geschäftsgebaren oft kritisiert, aber auch ein Stück weit bewundert, um später in seinen finanzjonglierenden Hochzeiten weit skrupelloser zu agieren.

Wohl, um sein Gewissen zu beruhigen, gründet Homm die Liberia Renaissance Foundation, um Kindern in diesem Land eine Schulbildung zu ermöglichen. Auch sämtliche Erlöse aus diesem Buch erhält diese Organisation. Seinen eigenen Kindern und seiner Frau dagegen schenkte er viele Jahre wenig Aufmerksamkeit, auch wenn er ihnen jetzt dieses Buch widmet und sie ihm offenbar verziehen haben.

Zwischen den Buchdeckeln offenbart sich ein zwiespältiger Mann, und man weiß selbst nach mehr als 300 Seiten nicht, ob er tatsächlich geläutert ist oder auch diese Zeilen wieder zur Strategie seines Lebens gehören. Man muss nichts von Börsen- und Geldgeschäften verstehen, um dieses Buch zu lesen und zu verstehen. Es ist spannend, gibt Einblicke in den Alltag von Finanzhaien und Börsenmanagern - lässt einen manchmal erschaudern, mitleidig lächeln oder wütend den Kopf schütteln, und trotzdem will man immer weiterlesen. Im Internet ist viel über Florian Homm, der in zahlreichen Talkshows über viele Jahre ein gefragter Gast war, zu lesen, dass er gerichtlich gesucht und ihm viele Jahre Haft drohen sollen.

In seinem Buch behauptet der Finanzjongleur, dass da viele Unwahrheiten im Netz über ihn verbreitet würden, er zwar moralisch, nicht aber strafrechtlich zu verurteilen ist. Trotzdem ist der 53-Jährige seit 2007 untergetaucht, und selbst der Verlag dieser Biografie kennt nach eigenem Bekunden seinen Aufenthaltsort nicht.

Das Buch lässt zahlreiche Fragen offen, trotzdem ist es hochinteressant und durchaus lesenswert.

Florian Homm: Kopf Geld Jagd, FBV-Verlag, 362 Seiten, 19,99 Euro.