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| 18:57 Uhr

Staatstheater Cottbus
Rechner in Demut vor der Kunst

René Serge Mund bei seinem Abschied vom Staatstheater im Jahr 2012. Viele gute Wünsche begleiteten ihn.
René Serge Mund bei seinem Abschied vom Staatstheater im Jahr 2012. Viele gute Wünsche begleiteten ihn. FOTO: -
Cottbus. René Serge Mund soll in Kulturstiftung und Staatstheater Cottbus Martin Roeder folgen. Von Christian Taubert und Peter Blochwitz

Der Vorgänger von Martin Roeder soll nun auch sein Nachfolger werden. Roeder wurde infolge der Turbulenzen am Staatstheater Cottbus und dem damit verbundenen zerstörten Vertrauensverhältnis zwischen dem Stiftungsrat und Roeder am Donnerstag als Vorstandsvorsitzender der Brandenburgischen Kulturstiftung Cottbus-Frankfurt (Oder) fristlos gekündigt.

Den schmucklosen Sätzen in einer Mitteilung folgte die Option für die zukünftige Führung des Staatstheaters: Als kommissarischer Verwaltungsdirektor der Kulturstiftung soll kurzfristig René Serge Mund gewonnen und eingesetzt werden. Für Insider zweifellos ein Glücksgriff. Denn Mund hat im Jahre 2011 die Cottbuser Spielstätte auf eigenen Wunsch verlassen. Am Theater hat es damals kaum einen gegeben, der ihm nicht nachweint hat. Demut vor der Kunst, Respekt vor den Mitarbeitern waren Eigenschaften, die immer wieder in einem Atemzug mit Mund  genannt wurden. Intendant Martin Schüler dankte ihm für Engagement, Weitsicht und Expertenwissen, die geholfen hatten, „manche Schlacht im Überlebenskampf des Theaters zu gewinnen“. Und Schüler hatte  in einem RUNDSCHAU-Interview im Juni 2011 das „eiserne Regime“ seines Verwaltungsdirektors gepriesen, dank dessen das Theater sehr leistungsfähig sei. Trotz aller Sparmaßnahmen des Landes Brandenburg.

Dass Serge Mund jetzt auch diese Funktion – nachdem die Stiftung mit Schüler einen Auflösungsvertrag zum Ende der laufenden Spielzeit unterzeichnet hat – kommissarisch übernehmen könnte, gehört offenbar zu den Optionen für die künftige Leitung des Staatstheaters.    

René Serge Mund wurde 1947 auf Malta geboren und hat in Remscheid eine Banklehre absolviert. Er war Devisenhändler in Frankfurt am Main. Nach dem Studium der Volks- und Betriebswirtschaftslehre und der Theaterwissenschaften in Berlin, Kiel und Oxford promovierte er an der Freien Universität Berlin über Währungstheorien. Arbeitete in Brüssel bei der Europäischen Union als Volkswirt und in Washington D.C. beim Internationalen Währungsfonds.

„Ich habe immer versucht, das Geld dorthin zu lenken, wo es die größte Wirkung erzielt“, hatte Mund 2012 gegenüber der RUNDSCHAU geäußert. „Das ist wie bei einer guten Hausfrau. Wer sein Geld kleckerweise für alles Mögliche verplempert, hat zum Schluss nichts für die wichtigen Anschaffungen.“

Mund hat unter anderem am Berliner Ensemble, am Hans Otto Theater in Potsdam, am Theater Altenburg-Gera, als kaufmännischer Geschäftsführer der Kammeroper Rheinsberg und zweimal am Staatstheater Cottbus gearbeitet – zwischen 1992 und 1996 und zuletzt seit 2005.

Im August 2011 bat er um die vorzeitige Auflösung seines Vertrages: „Eine ethische Grenze ist überschritten“, sagte er damals. Die Art und Weise, wie seitens des brandenburgischen Kulturministeriums und auch der Stadt mit dem Staatstheater umgegangen worden sei, habe den Ausschlag für seine Entscheidung gegeben. „Ich hatte den Eindruck, den Rechtsträgern fehlt die Einsicht, dass ein Theater nicht auf Dauer mit eingefrorenen Zuwendungen, die einmal im Stiftungsvertrag festgeschrieben waren, auskommen kann. Dass wir es erfolgreich fünf Jahre lang hingekriegt haben, bedeutet nicht, dass das bis in alle Ewigkeit geht. Da hilft alles kluge Wirtschaften nichts. Unsere Mitarbeiter haben Lohneinbußen lange hingenommen, aber man muss ihnen auch eine Perspektive bieten können, sonst sind die Guten weg und andere kommen erst gar nicht.“