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Interview mit René Kollo
„Eigentlich ist das von alleine gekommen“

René Kollo hat anfangs „nicht geglaubt, dass ich jemals Wagner singen würde“.
René Kollo hat anfangs „nicht geglaubt, dass ich jemals Wagner singen würde“. FOTO: HGM-Press
Cottbus. Ein Weltstar verabschiedet sich von seinem Publikum – am 9. März tritt er auch in der Stadthalle Cottbus auf. Renate Marschall

Im November vergangenen Jahres ist der international gefeierte Tenor René Kollo 80 geworden. Er verabschiedet sich von seinem Publikum, das ihn auch aus seiner ZDF-Show „Ich lade gern mir Gäste ein“ in den 1970er- und 80er-Jahren kennt, auf einer Tournee. Wir baten ihn zuvor zum Interview.

Herr Kollo, wenn Sie jetzt auf Abschiedstournee sind – welche Gefühle haben Sie dabei?

Kollo Ach Gott, ich habe keine besonders tragischen Gefühle. Man wird älter und die Tour ist ja auch nicht in einem halben Jahr beendet. Ich gehe immer noch gerne auf die Bühne. Das Publikum amüsiert sich bei diesem Programm köstlich, und das macht mir dann natürlich auch Spaß.

Sie stammen aus eine berühmten Musikerdynastie – Ihr Großvater Walter Kollo war Operettenkomponist, Ihr Vater Willi auch Komponist, hatten Sie je andere Ambitionen als eine musikalische Laufbahn?

Kollo Eigentlich ist das von alleine gekommen. Anfangs habe ich ein bisschen Musik nebenbei gemacht, in Restaurants, um mich zu ernähren. Ich habe auch Schlager gesungen und meinte, damit niemals bekannt zu werden. Darin hatte ich mich getäuscht. Mein eigentliches Interesse galt der Schauspielerei.Ich habe in Berlin Schauspielunterricht genommen. Meine Lehrerin riet mir, doch Gesangsunterricht zu nehmen, um die Stimme für große Rollen zu trainieren. Das habe ich gemacht, mit dem Ergebnis, dass mich die Gesangslehrerin sofort an die Oper bringen wollte. Nach sieben Jahren Ausbildung bei ihr habe ich dann tatsächlich vorgesungen und wurde Opernsänger. Ich habe damals nicht geglaubt, dass ich jemals Wagner  singen  würde, dass  sich  meine   Stimme so entwickelt.

Trauern Sie dem manchmal nach, nicht Schauspieler geworden zu sein oder sind Sie mit Ihrem „Schicksal“ im Reinen?

Kollo (lacht) Ich bin mit meinem Schicksal sehr zufrieden. Ich hatte ja beides, ich konnte singen und das Schauspielerische kam dazu. Für mich war es ein Vorteil, dass ich vom Schauspiel kam, mir war immer auch die Psychologie einer Rolle wichtig. Beides zu vereinen, war ideal.

Gestartet sind Sie sehr erfolgreich als Schlagersänger mit „Hallo Mary Lou“, feierten später Triumphe als Wagner-Interpret. Wie schafft man eine so einzigartige Karriere?

Kollo Das ist eine Entwicklung, die heute kaum noch möglich ist. Ich habe auch im Theater Braunschweig mit kleinen Rollen angefangen. Die Stimme entwickelt sich im Laufe der Zeit, man muss sie trainieren und man muss abwarten können. Ich hatte mir anfangs fünf Jahre gegeben, um zu sehen, ob die Stimme entwicklungsfähig ist. Nach drei, vier Jahren war ich schon in Bayreuth. Dann kamen Karajan, Solti, Bernstein, die ganze Elite der Dirigenten, da habe ich nicht mehr nachgedacht. Es ging dann einfach immer weiter.

Haben es junge Sänger heute schwerer?

Kollo Auf jeden Fall. Es gibt wenig Intendanten und Dirigenten, die junge Sänger fördern, ihnen nicht Partien zutrauen, die sie noch gar nicht singen dürfen, weil sonst die Stimme leidet. Dazu kommt, dass staatlicherseits die Kultur immer weiter abgebaut wird, das Umfeld ist also sehr schlecht. Ganz zu schweigen vom Verdienst, von dem eine Familie nicht leben kann. Ich kenne Sänger, die nachts Taxi fahren. Das ist alles nicht angetan, den Sängerberuf, der ohnehin schwierig ist, auch in den Medien kaum stattfindet, attraktiv zu machen.

Von  den  Kritikern  wurden  Sie zeitweise  als  bester  Wagnertenor der Welt gefeiert – und  doch haben Sie nie  ganz  Abstand genommen von der  sogenannte U-Musik.  Warum war  Ihnen immer  beides wichtig?

Kollo Ich war da familiär vorgeprägt. Mein Großvater war Synonym für Berliner Musik, auch mein Vater mit seinen Chansons. Ich wollte ihre Musik lebendig halten, und es hat mir auch immer Spaß gemacht. Wenn ich vier, fünf Mal Tristan gesungen hatte, war es wunderbar, etwas ganz anderes zu machen - davon wegzukommen, um später wieder dazu hinzukommen. Ständig dasselbe zu machen, wäre nicht mein Ding gewesen. Ich brauchte die Abwechslung. Ich habe ja auch  Regie und Fernsehen  gemacht. Ich wollte wissen,  wie  funktioniert das.

Wenn Sie jetzt Abschied nehmend zurückblicken – welches war Ihre beste Zeit?

Kollo Die ganze Zeit. Wenn ich allein schaue, mit was für Leuten ich zusammengearbeitet habe – von Herbert von Karajan über Rudolf Noelte bis Götz Friedrich – das waren ja Götter. Ich habe die grandioseste Zeit der Oper mitgemacht, wenn ich sehe, was heute so verhunzt wird. Es war eine aufregende,aber auch beglückende Zeit.

Bei Ihrem Konzert in Cottbus – worauf können sich die Besucher freuen?

Kollo Auf ein sehr abwechslungsreiches Konzert. Ich habe ein Buch geschrieben „Mein Leben und die Musik“, da sind viele lustige Geschichten drin. Es wird an diesem Abend viel gelacht. Zu jeder Geschichte singe ich einen Titel – aus „Walküre“ ebenso wie Berliner Lieder, kleine Chansons meines Vaters und „Schöneberg im Monat Mai“ von meinem Großvater. Das kommt alles vor, weil es mein Leben war.

Mit  René Kollo
sprach Renate Marschall

René Kollo auf Abschiedstour:
9. März, 19:30 Uhr, Stadthalle
Cottbus.

Tickettelefon: 0355/481 555.