Es läuft an diesem Abend zunächst nicht gut für Nicole Harbeck. Eben hat die Chefin des Altenburger Skatclubs "18 und weg" ein Null-Spiel verloren. Die grüne Zehn - sie entspricht im französischen Blatt der Pik Zehn - war ihr Verhängnis. Derweil macht Mitspieler Egon Kutzke ein Spiel nach dem anderen - auch schon mal einen Grand ohne Buben - und gewinnt. "Das macht keinen Spaß, aber man kann es nicht ändern", sagt die toughe 36-Jährige mit Jeansjacke, silbernen Ohrringen und Tattoo auf dem Arm. "Morgensonne" heißt das Gartenlokal, in dem sich an diesem Donnerstagabend 19 Skatspieler des Clubs treffen. Doch die Sonne versinkt schon hinter den umliegenden Häusern, während Harbeck und ihre drei Mitspieler auf der Terrasse reizen, stechen und abwerfen.

"Wir sind der mitgliederstärkste Club in Thüringen", sagt sie. Auf 33 ist die Zahl gewachsen: vom Teenager bis zum über 80-Jährigen, auch einige Frauen gehören dazu. Und er ist nicht der einzige Club in der ostthüringischen Stadt - 200 Jahre, nachdem Skat in Altenburg erfunden wurde.

Laut Deutschem Skatverband spielen 15 bis 20 Millionen Menschen hierzulande Skat. Auch in anderen Ländern wie Polen, Australien, Südafrika, Namibia und Argentinien wird dem Spiel gefrönt. Dessen Geburtsurkunde ist derzeit im Museum im Altenburger Schloss zu sehen. In einem kleinen Heftchen, in dem eine Spielgemeinschaft der Stadt dereinst ihre Gewinne notierte, taucht unter dem 4. September 1813 erstmals "Scat" auf.

Damals kombinierten die Spieler Elemente aus Tarock, L'Hombre, Schafkopf und Solo zu einem neuen Spiel. Verbreitet wurde es einst vor allem von Studenten und Soldaten - und damit auch ein Wildwuchs an Regeln. 1928 wurde auf einem Skatkongress in Altenburg die "Neue Deutsche Skatordnung" beschlossen, über die seither das Skatgericht wacht. Trotzdem gibt es in privaten Runden Varianten des Spiels, die nicht in der Skatordnung vorgesehen sind: etwa Ramsch oder Bierlachs.

200 Jahre nach seiner Erfindung hat es das Spiel bei Jugendlichen jedoch schwer. Computerspiele sind verlockend. Sammelten einst Teenager auf dem Schulhof Skaterfahrung, muss das Spiel im Zeitalter des Web 2.0 den Sprung ins Internet meistern. Allein bei Gameduell haben sich in den vergangenen Jahren mehr als eine halbe Million Menschen für Skat angemeldet, erklärt Produktmanager Peter Mitschke. "Skat ist ein komplexes Spiel und hat deswegen nicht so großen Zulauf wie Angry Birds oder Poker", sagt er. "Aber es ist eines unserer wichtigsten Spiele in Deutschland und gehört zu den Top Fünf."

Um Skat in der Online-Welt fit fürs 21. Jahrhundert zu machen, will das Unternehmen künftig das Spiel als Programm (App) für Handys und mobile Computer sowie im sozialen Netzwerk Facebook anbieten. Eine Entwicklung, die der Deutsche Skatverband (DSKV) begrüßt - hofft er doch dadurch auch offline neue Spieler zu gewinnen.

Einige aus dem Club "18 und weg" spielen auch mal online. "Aber da fehlt die Geselligkeit", sagen Heinz Bergmann und Egon Kutzke. Zumal erfahrene Spieler aus Mimik und Regungen ihrer Mitspieler Schlüsse ziehen. "Skat ist auch Psychologie", erzählt Harbeck. Für sie läuft das Spiel inzwischen besser: Eben hat sie einen Grand mit drei Buben - auch Unter oder Wenzel genannt - gewonnen. Zwar steht bei "18 und weg" eine Frau an der Spitze, doch das Spiel bleibt Männerdomäne. Nur etwa zehn Prozent der DSKV-Mitglieder sind Frauen. "Frauen sind nicht so risikofreudig", sagt Verbandspräsident Peter Tripmaker. "Wir Frauen spielen hin und wieder etwas intuitiver", meint Harbeck. "Männer reizen aggressiver und gehen eher mal aufs Ganze. Das liegt wohl in der Natur."

Bei Wettbewerben oder Spielen in ihrem Club sitzt die 36-Jährige ohnehin meist nur mit Männern am Tisch. "Da muss man sich durchsetzen können." An diesem Abend hat sie sich wacker geschlagen, unterm Strich stehen 993 Punkte. Damit ist sie die Zweite am Tisch.

Zum Thema:
Das Skatspiel wurde 1813 erstmals erwähnt. Damals kombinierten Kartenspieler im ostthüringischen Altenburg Elemente von Tarock, L'Hombre, Schafkopf und Solo zu einem neuen Spiel. Der Name leitet sich aus dem Lateinischen für "weglegen" ab und bezieht sich auf die beiden verdeckt abgelegten Karten - der Skat, manche sagen auch Stock dazu. Zum Skaten braucht es drei aktive Spieler. Wer Alleinspieler ist und damit bestimmt, welche Karten Trumpf sind, wird über das sogenannte Reizen ermittelt. Im Spiel muss der Alleinspieler dann mindestens 61 von 120 möglichen Punkten erzielen, um zu gewinnen. Skat wird mit 32 Karten gespielt.