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| 13:18 Uhr

Neuerscheinung zur Buchmesse
Mit „Jodl“ in die Wendezeit

Verena Ufer
Verena Ufer FOTO: Sebastian Schubert / LR
Nichts Schöneres gibt es für Martin Menne, als Felsen in der Sächsischen Schweiz zu erklimmen. Nach dem Gipfelsturm fühlt er sich frei und jubelt mit einem Jodler sein Glück in die Welt. Bergsteigen, das bedeutet für ihn Freiheit, eine kleine Flucht aus dem DDR-Alltag. Von Verena Ufer

Dann steht sie plötzlich vor der Tür, die politische Wende – von Ostdeutschen auf der Straße erzwungen. Die Freiheit – auch die, zu reisen. An Sehnsuchtsorte. Für „Jodl“ (50) ist es 1990 die Eiger-Nordwand. Mit der Gewissheit zwar, dass sein Körper solchen Herausforderungen nicht mehr gewachsen ist. Anlass für Jodl, eine Zwischenbilanz aufs Papier zu bringen. Der Roman von N. O. Mennescio – dem Vernehmen nach ein bekannter „Eulenspiegel“-Autor – nimmt seine Leser mit auf eine Reise in die Wendezeit, schildert unaufgeregt, mit Humor und Selbstironie. Dafür sorgen vor allem die Kommentare des von ihm eingeführten Hannibal Lector. Ein Stilmittel, mit dem es sich gut spielen lässt. Denn Lector prüft Jodls Schreibversuche auf Verkaufstauglichkeit. Woraus sich ein munterer Disput über Moral, Selbstzweifel, gegensätzliche Sichten auf das Leben und seinen Sinn entspinnt. Und der Autor ermuntert seine Leser, die Geschichte zu Ende zu schreiben. Der interessanteste Schluss – ob schrecklich oder kitschig – soll sich in einer Neuauflage wiederfinden.

N. O. Mennescio,
„Jodl, der Kletterer“;
Enno Verlag, Hardcover,
336 Seiten,
20 Euro.
N. O. Mennescio, „Jodl, der Kletterer“; Enno Verlag, Hardcover, 336 Seiten, 20 Euro. FOTO: Enno Verlag