Die Idee trägt er schon lange in sich, jetzt drängt sie in die Wirklichkeit: Im Mai wird Jo Achermann - Bildhauer, Künstler, Lehrender - sein Kunstprojekt "Von Außen nach Innen. Von Ort zu Ort" eröffnen. Erste Station: ein sorgsam ausgewählter Ort am Amtsteich, in Sichtweite zum Kunstmuseum Dieselkraftwerk. Hier soll er hin, der Kubus, nach vielem Hin und Her und Diskussionen mit der Verwaltung. Denn einfach so ein Kunstwerk in der Landschaft platzieren, das geht - zumindest in Deutschland - nicht. "Wenn ich gewusst hätte, wie kompliziert das wird . . ."

Jo Achermann, gebürtiger Schweizer mit Wohnsitz in Berlin, vollendet den Satz nicht. Immerhin: Er darf seinen Kubus aufstellen. Aus beständiger Eiche gezimmert, Achermann verzichtet auf die Verwendung von Tropenholz. Die begehbare, semi transparente Skulptur ist als streng geometrische Balkenkonstruktion angelegt, erinnert in ihrer Ruhe und Klarheit an japanische Raumerfahrungen. Doch so streng die Konstruktion, so wenig statisch ist das mit ihr verbundene Kunsterleben. Licht und Schatten beleben den Kubus, das Reingehen und Rausgucken lädt ein zum Spiel mit Innen und Außen. Neue Sichtachsen eröffnen sich mit jedem Blick und jeder Bewegung, und schließlich bewegt sich auch das Kunstwerk selbst.

Das Vorhaben ist ein Gemeinschaftsprojekt vom Kunstmuseum Dieselkraftwerk (dkw.), der BTU Cottbus-Senftenberg und dem Klinikum Niederlausitz. Zunächst wird die Skulptur von Mai bis Oktober vor dem dkw. in Cottbus stehen, dann wandert sie auf den Platz vor der Buchhandlung Hugendubel in der Innenstadt, später auf den Campus der Uni - Orte, die für die Entwicklung der Stadt stehen. Die letzte Station wird der Eingang des Klinikums Niederlausitz. "Hier schließt sich auf schöne Weise ein Kreis", freut sich Ackermann, der seit vielen Jahren eng mit dem Klinikum zusammenarbeitet und dort mit seinen Studenten weithin beachtete Projekte verwirklicht hat. Doch zurück nach Cottbus. Achermann, der zeitgleich eine Ausstellung in der Schweiz und in Düsseldorf vorbereitet, feilt mit Jörg Sperling, Kustos am dkw., an letzten Details zur Projekteröffnung. "Wir wollen den Besuchern auf jeden Fall die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen zu dokumentieren."

2003 bis 2005 hat Achermann in der Schweiz mit seinem Projekt "Horizontverflechtung" unter den Eidgenossen für Verwirrung gesorgt. Damals stellte er fünf begehbare Skulpturen in der Lorenzebene bei Zug auf. Die Reaktionen der Passanten sind in einem kleinen Bildband dokumentiert. "Wäre schön, wenn man in den Kuben picknicken könnte, schade haben sie keine Dächer", schrieb eine Frau mit zwei Kindern. "Habe zuerst gedacht, es wäre ein neuer Spielplatz für die Kinder zum Klettern", so ein weiterer Kommentar. Genau dieses Erkunden des Objektes wünscht sich Achermann. Denn in der Auseinandersetzung mit Vertikalen und Horizontalen verändern sich die Ausblicke. Erinnerungen an frühere Raumerfahrungen, an Kinderspiele, vielleicht auch an Veränderungssehnsucht werden geweckt.

Das Spiel mit der Wahrnehmung, mit Begrifflichkeiten, mit Vergänglichkeit und dem Verschwimmen von Drinnen und Draußen zieht über die bloße Skulptur hinaus Kreise. Prof. Wolfgang Glemser, Musikpädagoge an der BTU, will für die Projekteröffnung am 18. Mai ein passendes Musikstück entwickeln, für die filmische Dokumentation konnte Achermann den Cottbuser Donald Saischowa gewinnen. Der "Raum im öffentlichen Raum" erweitert sich, befruchtend, ergänzend, Neues provozierend. Spannung garantiert.