Der attraktive Afroamerikaner mit dem strahlenden Lächeln verkaufte weltweit über 100 Millionen Schallplatten mit Songs wie "Island in The Sun", "Matilda" und "Banana Boat" und wirkte als Schauspieler in mehr als 40 Filmen mit.
Ebenso viele Schlagzeilen macht er seit Jahrzehnten auch durch sein politisches Engagement. Messerscharfe Rhetorik gegen US-Präsident George W. Bush ist derzeit sein "liebstes Hobby", wie er vor kurzem zugab. Der im New Yorker Schwarzenviertel Harlem geborene Belafonte feiert heute seinen 80. Geburtstag.
Beim einem Thema kann der Mann mit der sonst so sanften Reibeisen-Stimme allerdings äußerst unwirsch werden: "Kommen Sie mir bloß nicht mit Bananen! Ich hasse Bananen!", soll Belafonte einmal eine Reporterin angeraunzt haben. Das liegt wohl daran, dass er seinen größten Hit, den fröhlichen Calypso-Hit "Banana Boat Song" auf Wunsch seiner Fans so oft präsentieren musste, dass er sich lange schlichtweg weigerte ihn überhaupt noch zu singen. Und das scheinbar heitere Party-Lied "Island In The Sun" ist eigentlich ein Aufschrei gegen Sklaverei - er handelt nämlich vom Schmerz des auf den Knien Rutschens, von Tränen und der harten Arbeit des Zuckerrohrschneidens. "So haben meine Vorfahren eben ihren Protest verpackt. Schwarze Kunst war immer verschlüsselt", sagt Belafonte.
Er selbst muss seine Botschaften nicht verschlüsseln: Er hat George W. Bush als "größten Terroristen der Welt" bezeichnet, seinen früheren Außenminister Colin Powell einen Lügner und Lieblingssklaven geschimpft und das US-Heimatschutzministerium mit der Gestapo verglichen. Belafonte darf das als einer der wenigen ungestraft: Der Sohn eines Schiffskochs aus Martinique und einer Hilfsarbeiterin aus Jamaika hat sich eine moralische Glaubwürdigkeit erarbeitet wie kaum ein Zweiter: Er kämpfte an der Seite von Martin Luther King Jr. für schwarze Bürgerrechte in den USA, mit Nelson Mandela gegen die Apartheid in Südafrika und spricht als Unicef-Botschafter für die Kinder auf Haiti und im Sudan.
Als 1985 eine Hungerkatastrophe Zehntausende Menschen in Äthiopien dahinraffte, überzeugte Belafonte zahlreiche Pop-Stars, mit dem eigens dafür geschriebenen Song "We are the World" an das Gewissen der Menschen in wohlhabenden Ländern zu appellieren. Der Hit brachte mehr als 70 Millionen Dollar ein (80 Millionen Euro).
Seit 50 Jahren ist Belafonte mit der Tänzerin Julie Robinson verheiratet, mit der er einen Sohn David und eine Tochter Shari hat. Aus einer früheren Verbindung stammen die Töchter Adrienne und Gina. Seine erste große Liebe galt jedoch dem Theater. An Piscators berühmter Dramatiker-Schule lernte er zusammen mit jungen Schülern wie Tony Curtis und Marlon Brando Shakespeare, Brecht und Tschechow kennen und begegnete Geistesgrößen wie dem Philosophen Jean-Paul Sartre oder dem Dramatiker Arthur Miller.
Aber nach der Schule gab es keine Arbeit für den jungen Schauspieler. Abends saß er in New Yorker Jazzclubs, wo Charlie Parker oder Miles Davis auftraten, und entdeckte für sich die karibische Folkmusik. Die LP "Calypso" wurde 1956 zu einem überragenden Erfolg; es war die erste Platte der Musikgeschichte, von der in einem Jahr mehr als eine Million Stück verkauft wurden. Hollywood wurde auf ihn aufmerksam, und der Wiener Otto Preminger verhalf ihm mit "Carmen Jones" auch zu internationalem Leinwand-Ruhm.
80 zu werden, fällt dem agilen Entertainer schwer: Er könne die Zahl "gar nicht aussprechen", sagte Belafonte vor kurzem. "Alle 80-Jährigen, die ich früher kannte, waren so gut wie tot. 80 ist ein Symbol für: alles vorbei. Dabei ist gar nichts vorbei! Ich habe lediglich Schmerzen in der Hüfte und gehe darum ein bisschen schwer", sagte er. Derzeit arbeite er an einer Dokumentation über sein Leben. "Es wird eine sechsstündige Version fürs Fernsehen geben, eine zweistündige fürs Kino und eine zwölfstündige auf DVD", so Belafonte. Er verspricht Interviews mit Mandela und Fidel Castro - und viel Musik.