Leipzig". So lautet der Untertitel einer neuen Fassung der berühmten Schiller-Trilogie "Wallenstein", die am Samstag in Leipzig Premiere hatte. In Shuttle-Bussen pilgerte das Publikum von einer alten Baumwollspinnerei zum Schauspielhaus und schließlich zum Völkerschlachtdenkmal. Mit viel Beifall und Bravo-Rufen feierten die knapp 700 Besucher die Inszenierung des Leipziger Schauspiel-Intendanten Wolfgang Engel.
Das Schiller-Drama um Treue und Verrat, Liebe und Intrige beginnt in einem Gemäuer, das an Kriegsruinen erinnert. In der einstigen Baumwollspinnerei blättert die Farbe von Decke und Wänden, der Putz ist längst von den Ziegelsteinen abgefallen. Ein Kaminfeuer, rote Orientteppiche, ein robuster Holzschreibtisch und einige Stühle bilden die Ausstattung auf der ungewöhnlichen Bühne. Wallenstein - gespielt vom 33-jährigen Stefan Schießleder - hat seine Offiziere und seine Familie im böhmischen Pilsen zusammengerufen, um Kriegsrat zu halten.
Das mehr als 200 Jahre alte Stück spielt im 30-jährigen Krieg (1618-1648). Damals war Wallenstein selbst auch in Leipzig: Am 1. November 1632 eroberte er die Stadt mit dem Heer von Kaiser Ferdinand II.
Auf der Bühne des Schauspielhauses, die schlicht und modern in schwarz-rot ausgestattet ist, spitzt sich das Drama zu. Die Ratschläge seiner engsten Vertrauten ignoriert Wallenstein - und schließlich wird er von zwei Hauptmännern ermordet. Octavio Piccolomini übernimmt das Kommando - und das Publikum zieht zum dritten Teil der Trilogie, der eigentlich bei Schiller der erste Teil ist: "Wallensteins Lager".
Ausgediente Bundeswehr-Pontons, die auf einem Teich vor dem Völkerschlachtdenkmal schwimmen, sind die nächtliche Bühne. Das Publikum steht auf den Treppen des Völkerschlachtdenkmals. Auf der schwimmenden Bühne rappen Jugendliche zusammen mit jungen Darstellern des Schauspielhauses Schillers Verse. Begleitet werden sie unter anderem von einem Schlagzeuger des Erfurter Rappers Clueso, einem DJ und im Studio vorproduzierten Musik-Sounds.