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Rafael Chirbes' posthumer Roman

Rafael Chirbes' posthumer Roman Ein junger spanischer Maler flieht aus seinem gutbürgerlichen Elternhaus von Madrid nach Paris und verliebt sich in den fast 30 Jahre älteren Arbeiter Michel. Die beiden ziehen durch die Kneipen, leben in einem winzigen Zimmer, haben nur sich und sind eine Weile lang selig inmitten der grauen, winterlichen Seine-Metropole. dpa/ik dpa/ik dpa/ik

Aber die Liebe hält nicht ewig. In einer Reihe von elegischen Rückblenden erzählt der große spanische Romancier und Erzähler Rafael Chirbes, der im August 2015 starb, in diesem kleinen posthumen Roman die Geschichte einer alles verzehrenden Leidenschaft. Die Liebe erscheint als die Utopie, die selbst rigide Klassengrenzen überwindet. Rafael Chirbes: Paris-Austerlitz. rlag Antje Kunstmann, 156 Seiten, 20 Euro

Ungewöhnlicher Romanheld

Einem Spatzen als Hauptfigur eines umfangreichen Romans begegnet man als Leser auch nicht alle Tage. Quimp heißt der Vogel, der am Pariser Bahnhof Montparnasse von den Reisenden seine Krümel einsammelt und dann auf eine abenteuerliche Odyssee geschickt wird, die ihn zusammen mit dem schlauen Uralt-Vogel Pinesits über Wien nach Belfast und zurück führt. Quimp ist aber keineswegs ein normaler Vogel. Wenn er träumt, verwandelt er sich in den herztransplantierten Kommissar Blind, der den vermeintlichen Unfalltod einer jungen Frau aufklären muss. Als "Spiel zweier Leben" bezeichnet der 1961 geborene Autor Heinrich Steinfest ("Der Allesforscher") die doppelte Struktur seines Romans, in dem das Fantastische und das Gewöhnliche miteinander verwoben sind.

Heinrich Steinfest: Das Leben und Sterben der Flugzeuge. Piper Verlag, 598 Seiten, 25 Euro

Ein Buch der leisen Töne

Peter Vorden führt ein angenehmes Doppelleben. Die eine Hälfte der Woche verbringt er in Frankreich als Geschäftsführer eines gutgehenden Feinschmeckerrestaurants, ansonsten schreibt er in Deutschland Kurzgeschichten für seinen Zwillingsbruder Paul, einen erfolgreichen Autoren. Auch teilt Peter mit Paul die Leidenschaft für dessen Frau Anne. Doch dann tritt Chiara in sein Leben. Die Aushilfsputzfrau scheint heimlich seine Geschichten zu lesen und außerdem verfolgt sie ihn in seinen Träumen. Auch dieses neue Buch ist wieder ein Roman der leisen Töne, der ohne große Knaller, Effekte und Tragödien auskommt. Fein und poetisch changiert er im Grenzbereich von realer Welt und Traumwelt. Thommie Bayer: Seltene Affären. Piper Verlag, 192 Seiten, 18 Euro