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Rache: Gefangen im Gemetzel

Kriemhilds Rache entlädt sich mit theatralischer Wucht auf einem sagenhaften Schlachtfeld.
Kriemhilds Rache entlädt sich mit theatralischer Wucht auf einem sagenhaften Schlachtfeld. FOTO: Steffen Rasche
Senftenberg. Im dritten Teil des Abends setzt Tilo Esche Kriemhilds blutige Vergeltung in Szene. Der Zuschauer ist gnadenlos dem Gemetzel ausgesetzt. Ida Kretzschmar

Wo Hass und Rachegelüste regieren, hat Sanftmut keine Chance, erstickt das Lachen. Tilo Esche bringt mit theatralischer Wucht eine wahre Gewaltorgie auf die Bühne. Sie erschreckt und irrietiert so manchen, auch weil die Rollen nun neu besetzt sind. Nach Siegfrieds hinterhältiger Ermordung hat sich Kriemhilds naiv leuchtender Blick verwandelt. Aus dem blond gelockten Püppchen (Alrun Herbing) ist eine dunkle Rachegöttin geworden, in deren Augen der Hass lodert. Marianne Helene Jordan zeigt Kriemhild zunächst schwarz verhangen und schmerzgeschüttelt, mehr und mehr sich hineinsteigernd in unbändigen Hass. Kriemhild wird zur Furie, die den Atem des Todes gnadenlos versprüht, unerbittlich in ihren Racheforderungen.

König Etzel (Friedrich Rößiger), mit einem "Königreich, das auf Erden keine Grenzen hat", kann sie nicht aufhalten. Er ist gebunden an einen Schwur, den ihr Markgraf Rüdiger überbrachte. Heinz Klevenow überzeugt in dieser Rolle, hingerissen zwischen Pflicht und Gewissen. Auf dem Schlachtfeld, das in den Zuschauerraum hineinragt, aber verschwinden alle Zwischentöne. Da regiert das Schwert, fließt das (Theater)Blut in Strömen, gewinnen lautes Geschrei und Kriegslust die Oberhand. Eine martialische Vorstellung, dieses absurde Gemetzel über die Schmerzgrenze hinaus, in der Gefühle wie vernichtende Lavaströme freigesetzt werden. Hier gibt es keine zarten Andeutungen, kein Augenzwinkern, keinen feinsinnigen Humor mehr. Allein die schaudernde Wahrheit: Gewalt gebiert wieder Gewalt. Die Sehnsucht nach Entrinnen aus dem Teufelskreis wird übermächtig, gaukelt Bilder vor: Hebt nach dieser Schlacht vielleicht doch noch jemand den Kopf? Wahrscheinlich ein Trugbild. Und so fühlt sich der Zuschauer nach diesem Säbelrasseln, das manch heutigem ähnelt, selbst ein wenig erschlagen. Etwas Ermunterung, etwas Leises nach dem Kriegsgeschrei, hätte als Nachschlag gut getan.

Fazit: Eine Theaternacht, die sich weder vor großen Gefühlen noch vor einem großen Stoff scheut. Das ganze Ensemble widmet sich ihm in unterschiedlichen Regiefarben mit großer Leidenschaft bis in die Nebenrollen. Herausragend dabei die starken Frauen. Zu denen auch die Kostümbildnerin Jenny Schall gehört. Fantasiereich bis in feine Details trägt sie, wie auch Bühnenbildner Stephan Fernau, zu einem sinnlichen Theatererlebnis bei, das sich zu einem Ganzen fügt.