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Rache eines Teenies

Der 13-jährige Joe hält seine blutende Mutter auf dem Rücksitz in den Armen, sein Vater jagt den Wagen ins Krankenhaus. Geraldine ist so schwer vergewaltigt worden, dass sie operiert werden muss. Anita Hirschbeck

Sie überlebt, doch danach ist in Joes Welt nichts mehr so wie es vorher war. Seine Mutter verkriecht sich in ihrem Zimmer, isst kaum noch, zuckt bei jeder Berührung zusammen. Joe will sie aus diesem Zustand befreien, den Vergewaltiger finden. Er soll verurteilt werden. Doch das ist ziemlich schwierig - denn Joe und seine Familie sind Indianer und leben in einem Reservat.

Louise Erdrichs (59) Entwicklungsroman "Das Haus des Windes" gibt einen authentischen Einblick in die Hilflosigkeit indigener Frauen nach einer Vergewaltigung. Jede dritte indigene Frau in den USA werde laut Amnesty International im Laufe ihres Lebens vergewaltigt, schreibt die Autorin - selbst Tochter einer Indianerin und eines Deutsch-Amerikaners - im Nachwort ihres aktuellen Romans. Nur wenige Taten würden strafrechtlich verfolgt.

Louise Erdrich, Das Haus des Windes. Aufbau Verlag, 384 Seiten, 19,99 Euro.