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| 19:08 Uhr

20. Festival
Puppentanz mit asiatischem Charme

Die Marionette Theatre Troupe Chin Fei Feng brilliert zur Festivaleröffnung.
Die Marionette Theatre Troupe Chin Fei Feng brilliert zur Festivaleröffnung. FOTO: Jürgen Weser
Elbe-Elster. Taiwan-Marionettentheater begeistert zur Eröffnung des 20. Puppentheaterfestivals in Elbe-Elster. Von Jürgen Weser

Zur Eröffnung des 20. Internationalen Puppentheaterfestivals war ein Paukenschlag versprochen worden, und es gab ihn. Die „Chin Fei Feng“ Marionette Theatre Troupe aus Taiwan zauberte zum Jubiläum des Puppentheaterfestivals im Landkreis Elbe-Elster am Freitagabend mit dem Stück „Chinesisch Neujahr“ asiatische Kultur und Traditionen mit brillanter Spielkunst, viel Farbigkeit in den Saal des Doberluger Refektoriums.

Zuvor stimmte das Koffertheater Bad Liebenwerda die ankommenden Gäste im Freien auf eine bunte Puppentheaterfestivalwoche ein. Im Saal zeigte die Arbeitsgemeinschaft Puppenspiel der Grundschule Rückersdorf „Warum die Welt so schön ist“. Kaum erwarten konnte Kasper seine Talkshow.

In Person von Kulturamtsleiter Andreas Pöschl holte er sich den langjährigen und jetzt scheidenden Festivalleiter Dr. Olaf Bernstengel auf die Bühne, um die Erfolgsgeschichte des Festivals Revue passieren zu lassen. 618 Bühnen aus 19 Ländern bis Australien und jetzt Taiwan gehören zum erstaunlichen Fazit! Für Landrat Christian Heinrich-Jaschinski Grund genug, sich bei Dr. Bernstengel für sein Engagement gebührend zu bedanken.

Die Marionettenkünstler des 1920 gegründeten Familienunternehmens, das jetzt in dritter und vierter Generation als einzige professionelle Puppentheaterbühne in Taiwan agiert, brauchte allerdings keine Paukenschläge, um mit „Chinesisch Neujahr“ das zu Beginn des neuen Jahres zu feiernde Frühlingsfest als wichtigstes Fest in der chinesischen Tradition bezaubernd auf die Marionettentheaterbühne zu bringen. Ein glückliches, älteres Ehepaar spaziert durch die Stadt und lässt die Zuschauer an seinen Erlebnissen teilhaben. Himmelsgeister fliegen im Lichte des ersten Vollmonds umher, das Laternenfest zaubert bunte Lichter und der Löwentanz will Frieden, Wohlstand, Erfolg und Gesundheit bringen. Ein Blumenkind zeigt Kung-Fu Übungen und die Puppe schwingt sich auf der Schaukel lustvoll in die Höhe. Das alles wird von typischer Musik begleitet. Schließlich bringt der als Gott des Wohlstands verkleidete Mime Erfolg und lässt den Rubel rollen.

Glück wünschen die charmanten Marionettenspieler und ihr Team auch dem Publikum. Das ist begeistert und fasziniert von der großartigen Marionettentheaterkunst der Spieler um Hsueh Ying Yuan. Mit traumwandlerischer Sicherheit beherrschen die vier Spieler das Gewirr der Fäden an den Marionetten und lassen mit verblüffender Fingerfertigkeit daraus Tänze, artistische Sprünge, Salti und Schaukeln entstehen. 

Mit Unterstützung der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik konnte diese neue großartige Facette für das Elbe-Elster-Puppentheaterfestival mit drei weiteren Aufführungen realisiert werden.

Der Applaus ist sicher, wenn Cornelia Fritzsche aus Dresden die umtriebige Rattendame Ursula von Rätin scharfzüngig auf der Bühne agieren lässt. Als Klugscheißer-Psychologin belehrt sie beim Festivalauftakt den verblüfften Kasper und macht klar, dass die Welt nicht nur Tritratrullala ist. „Ob Puppe oder Mensch, wir werden alle manipuliert. Deutschland, wo bist du gelandet?“, stöhnt die Rätin mit Blick auf die Gegenwart. „Ich finde mich sooo schön!“, fordert sie die lachende Zustimmung des Publikums heraus. Damit sie noch schöner wird, wünscht sie sich einen neuen Vorderzahn.

Cornelia Fritzsche beherrscht das komische Fach des Puppenspiels auch mit Madame Plüsch aus Frankreich meisterlich. Die Begeisterung der Eröffnungsveranstaltung soll über mehr als sechzig Veranstaltungen der Festivalwoche tragen.

In rührenden Szenen ließ Kulturamtsleiter Andreas Pöschl gemeinsam mit dem Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel die vergangenen 20 Jahre in einer Fotodokumentation Retour passieren.
In rührenden Szenen ließ Kulturamtsleiter Andreas Pöschl gemeinsam mit dem Theaterwissenschaftler Dr. Olaf Bernstengel die vergangenen 20 Jahre in einer Fotodokumentation Retour passieren. FOTO: Veit Rösler