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| 02:42 Uhr

Psychiater über Fallada

Genie und Wahnsinn liegen bekanntlich oft dicht beieinander – so auch bei dem Schriftsteller Hans Fallada (1893-1947). Der Buchautor Klaus-Jürgen Neumärker spricht als Neurologe und Psychiater bei Fallada zwar nicht von Wahnsinn, aber von einer Persönlichkeitsstörung. Birgit Sander

"Früher sagte man Psychopath, aber dieser Begriff wird heute nicht mehr gebraucht", erläutert Neumärker. Der frühere Direktor der Nervenklinik der Berliner Charité hat die Lebensgeschichte des Rudolf Ditzen alias Hans Fallada jetzt anhand dessen Krankenakten neu erzählt. Diese Quellen hat bisher noch kein Fallada-Biograf ausgewertet. Kürzlich erschien im Steffen Verlag in Berlin und Friedland (Mecklenburg-Vorpommern) sein Buch "Der andere Fallada. Eine Chronik des Leidens". "In Zukunft wird kein Fallada-Biograf an dieser Arbeit vorbeikommen", schätzt die Fallada-Expertin Heide Hampel ein. Sie war jahrelang Leiterin des Literaturzentrums Neubrandenburg mit dem Fallada-Archiv. Mit der Lebensgeschichte Falladas zeichnet Neumärker zugleich ein Bild der deutschen Psychiatrie im 20. Jahrhundert.

Klaus-Jürgen Neumärker: Der andere Fallada. Steffen Verlag, 416 Seiten, 84 Abbildungen, 26,95 Euro