Einmal, sagt Dieter „Maschine“ Birr, habe er einen Badschrank von der Wand geholt. Beim Wohnzimmerkonzert. Beim Händewaschen. Die Gastgeber hätten es locker genommen, haben sich ein Autogramm von Maschine auf den zertrümmerten Schrank geben lassen. Ja, vielleicht finde sich auch im Cottbuser Mosquito Inventar, das als Andenken tauge.

Nein, es blieb alles ganz. Vielleicht ein Glas. Aber das hat Maschine nicht zerbrochen. Das ging vielleicht beim euphorischen Klatschen zu Bruch. Davon nämlich gab es am Montagabend am Altmarkt mehr als genug.

Große Namen, kleine Bühne

Wie oft bekommt man die Gelegenheit, bei der Rauchpause mit einer Größe wie Julia Neigel zu plaudern? Selten, meist sind es die Hintertüren, die die Musiker nutzen, um ihren Lastern zu frönen. Nein, am Montag hat sich die Sängerin zu den Fans gesellt, ein paar freundliche Worte ausgetauscht, bevor sie zurück in den Backstage-Bereich – herrlich improvisiert – ist. Dort sitzen sie, die großen Namen des Ostrocks. Maschine, natürlich. Ritchie Barton, Uwe Hassbecker und Jäcki Reznicek von Silly. Toni Krahl von City. Julia Neigel, die Silly bei der kommenden Tour am Mikro unterstützen wird.

Noch ist die Tour nicht gestartet. Noch wird sich warm gespielt. In Wohnzimmern. Drei Wohnzimmerkonzerte gab es in den vergangenen Tagen, das kuscheligste auf gerade einmal 24 Quadratmetern, am Montag ist das „Wohnzimmer“ein wenig größer. Aber auch da wird’s kuschelig. Rund 150 Rocklegenden-Fans tummeln sich zwischen Bar, Stehtischen, ein paar kleinen Sitzecken, selbst auf der Treppe in den ersten Stock des Mosquito am Altmarkt. Alle Besucher, die an diesem Abend die Rocklegenden ganz intim erleben dürfen, sind Rundschau-Leser, haben die Eintrittskarten gewonnen.

Youtube Backstage mit den Rocklegenden

Erstmals eine Frau am Mikro

Und sie durften quasi eine Premiere miterleben. Die Rocklegenden, die Größen des Ostrock, touren schon länger gemeinsam vor allem durch den Osten der Republik, eine Frau am Mikro gab es bislang aber noch nie. Es habe ein bisschen gedauert, bis Silly mit im Boot war. Dass sich die Überredungsversuche mehr als gelohnt haben, ist am Montagabend deutlich hörbar. Da spielt etwa Uwe Hassbecker das Violine-Solo aus „Am Fenster“, das sonst Georgi Gogow spielt. Anders, weder schlechter noch besser, genau das ist es, was die gemeinsamen Auftritte der „Legenden“ so interessant macht.

„Legenden“, ein Titel, den sich die Musiker nicht selbst gegeben haben, sondern das Management. „Das ist schon was Feines, aber auch komisch“, sagt Jäcki Reznicek. Vielleicht, weil die Musiker schon so lange dabei seien, qualifizierten sie sich als Legenden. Obwohl, das mit der „Legende“ sei spätestens zu Hause nach dem Aufstehen ziemlich egal, sagt Uwe Hassbecker. Ohnehin wirken die Musiker hinter – und auch auf – der Bühne sehr geerdet, sehr offen, sehr humorvoll. „Das ist der letzte Titel vor der Zugabe“, sagt Maschine und macht damit klar: Auch nach einer knappen Stunde ist noch nicht Schluss. Trotzdem – die Gäste rufen lauthals „Zugabe“, zu der auch der Cottbuser Sänger Alexander Knappe auf die Bühne kommt. Er hatte den Abend mit zwei Titeln eröffnet, „Schick’ mir dein Herz mit der Post“ und „Wir kommen auch morgen noch wieder“. Und er hat ziemlich deutlich gemacht, dass seine und die Musik der Rocklegenden ganz gut zueinander passen. Passend also auch, dass Knappe bei der Tour mit den Rocklegenden auf der Bühne stehen wird.

Tolle Menschen, fantastische Musiker

Gast bei den Rocklegenden ist nicht nur Knappe, sondern eben auch die Sängerin Julia Neigel. „Ihr seid tolle Menschen, fantastische Musiker“, sagt sie zu den männlichen Kollegen. Aber auch Julia Neigel sorgt mit ihrer Stimme am Montag im Mosquito für Gänsehaut, Erinnerungen an die Original-Silly-Sängerin Tamara Danz und ja, auch ein paar Erinnerungen an Tina Turner in den 80er- und 90er-Jahren. Und vor allem: Ihre Stimme passt wie der Deckel auf den Topf zu der Musik der Rocklegenden, Maschines Stimme, wenn die beiden Duette anstimmen, zum ganzen Gefühl, das weit mehr ist als nur Nostalgie. Es ist wunderbare Musik, die da im Mosquito erklingt, die noch einmal in Cottbus, dann in der Stadthalle erklingen wird. Es wirkt, als seien die drei Bands eine. „Üben, üben und nochmals üben“, sei das Geheimnis, sagt Toni Krahl.

Es steckt allerdings mehr dahinter – es stecken auch, neben Julia Neigels markanter Rockröhrenstimme, die kraftvollen Stimmen Krahls und Birrs dahinter, die sich in den vergangenen Jahren zwar verändert haben, an Qualität aber nichts verloren haben. Nicht weniger gilt für die Musiker, die auch akustisch einen großartigen Sound liefern. Erden Konzerte vor wenigen Zuschauern, in Wohnzimmern ein wenig?

Die Erdung, sagt Ritchie Barton, habe schon in den 80er-Jahren begonnen, damals, als Silly im Ausland gespielt haben, in kleinen Clubs, plötzlich vor gerade einmal 100 Leuten. Da, sagt er, habe die Erdung begonnen.

Und bis heute gehalten. Ganz schön normal, diese Legenden.

Zu Besuch in Cottbus und Kamenz


Die Rock-Legenden Silly mit Gastsängerin Julia Neigel, City und Dieter „Maschine“ Birr sind gemeinsam mit Alexander Knappe und Dirk Michaelis auf Tour und gastieren am 16. Mai (20 Uhr) in der Stadthalle Cottbus. Tickets: 0355 481555 und bei allen Servicepartnern der Rundschau. Am 31. Mai gibt es die Chance, die Rocklegenden in Kamenz zu erleben. Auch dafür gibt es Tickets bei der LR. Alle Infos: www.facebook.com/RockLegenden